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Alle Artikel der Webseite nach Themen sortiert finden Sie unter Stichworte .
Akuter Schmerz
Schmerz, der unmittelbar auf eine Verletzung, eine Entzündung oder eine andere akute Reizursache reagiert. Akuter Schmerz hat eine klare Warnfunktion und klingt mit der Heilung ab. Anders als chronischer Schmerz ist er meist proportional zum auslösenden Ereignis.
Mehr dazu: Akuter Schmerz: was in den ersten Tagen sinnvoll ist
Aura
Vorübergehende neurologische Reizerscheinungen, die bei einem Teil der Migränebetroffenen dem Kopfschmerz vorausgehen oder ihn begleiten. Am häufigsten sind Sehstörungen wie Flimmern oder Zickzacklinien, seltener ein Kribbeln oder Sprachstörungen. Eine Aura entwickelt sich langsam über Minuten und bildet sich vollständig zurück.
Mehr dazu: Migräne
Biopsychosoziales Modell
Ein Rahmen, in dem chronische Schmerzen als Ergebnis eines Zusammenspiels biologischer Prozesse, psychologischer Faktoren und sozialer Einflüsse verstanden werden. Das Modell ersetzt keine medizinische Abklärung und ist keine Psychologisierung von Schmerzen. Es erweitert den Blick über rein strukturelle Erklärungen hinaus und bildet die Komplexität chronischer Schmerzverläufe realistisch ab.
Mehr dazu: Schmerzmodelle
CGRP-Antikörper und Gepante
Neuere, gezielt für die Migräne entwickelte Medikamente. Sie greifen in die Signalkette des Botenstoffs CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) ein, der bei der Entstehung von Migräneattacken eine zentrale Rolle spielt. CGRP-Antikörper werden gespritzt und zur Vorbeugung eingesetzt, Gepante sind Tabletten zur Akutbehandlung oder Vorbeugung.
Mehr dazu: Migräne
Chiropraktik
International, vor allem im englischsprachigen Raum, ein eigenständiger akademischer Heilberuf (Doctor of Chiropractic), begründet von Daniel D. Palmer 1895. In Deutschland gibt es diesen Beruf in dieser Form nicht: Wer sich hier „Chiropraktiker" nennt, ist meist Heilpraktiker mit chiropraktischer Zusatzausbildung. Die ärztliche Variante derselben Techniken läuft unter manueller Medizin. Die klangliche Nähe zur Chirotherapie ist historisch bedingt und führt oft zu Verwechslungen.
Mehr dazu: Komplementäre Verfahren
Chronischer Schmerz
In der Medizin gilt Schmerz als chronisch, wenn er länger als drei Monate besteht oder immer wiederkehrt. Entscheidend ist nicht nur die Dauer, sondern eine veränderte Funktion: Während akuter Schmerz eine Warnfunktion hat, verliert chronischer Schmerz diese Rolle häufig und wird zu einem eigenständigen Zustand. Er ist real und ernstzunehmen, auch wenn keine eindeutige Gewebeschädigung vorliegt.
Mehr dazu: Chronische Schmerzen verstehen
Dekonditionierung
Verlust an körperlicher Belastbarkeit, Beweglichkeit und Ausdauer nach längerer Inaktivität. Dekonditionierung entsteht häufig im Verlauf chronischer Schmerzen, wenn Bewegung aus Vorsicht oder aus Angst vor Verschlimmerung zurückgenommen wird. Sie verstärkt häufig die Schmerzproblematik, ist aber nicht endgültig: ein gezielter, dosierter Wiederaufbau über Wochen bis Monate kehrt den Prozess in vielen Fällen um.
Mehr dazu: Bewegung bei chronischen Schmerzen
Faszie
Flächige Bindegewebshülle, die Muskeln umgibt und durchzieht. Faszien sind mit Schmerzfasern versorgt und können selbst Schmerz erzeugen: Die große Rückenfaszie ist das schmerzempfindlichste tiefe Gewebe des Rückens. Nicht haltbar ist dagegen die verbreitete Vorstellung, Faszien könnten „verkleben" und sich von Hand oder mit einer Rolle wieder lösen. Dafür wären Kräfte in der Größenordnung mehrerer hundert Kilogramm nötig.
Mehr dazu: Faszienrolle: Was sie kann und was nicht
Frozen Shoulder
Auch Schultersteife oder adhäsive Kapsulitis. Eine schmerzhafte Erkrankung der Gelenkkapsel mit zunehmender Bewegungseinschränkung, besonders der Außendrehung. Sie ist keine Überlastungs- oder Verschleißerkrankung, sondern ein narbiger Umbau der Kapsel. Häufig mit Diabetes vergesellschaftet.
Mehr dazu: Schultersteife (Frozen Shoulder)
Funktionstraining
Bewegungsangebot in der Gruppe, das die Ärztin oder der Arzt auf einem eigenen Formular (Muster 56) verordnet und das überwiegend von Physiotherapeuten geleitet wird. Es ist gezielter auf die betroffenen Körperregionen ausgerichtet als der Rehabilitationssport und läuft im Regelfall zwölf Monate. Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, Fibromyalgie und Osteoporose sind es 24 Monate.
Mehr dazu: Wege zu einem Bewegungsangebot
Gelenkkapsel
Bindegewebige Hülle, die jedes Gelenk umschließt, es stabilisiert und die Gelenkflüssigkeit bildet. Anders als Sehnen passt sich die Gelenkkapsel nach heutigem Kenntnisstand nicht messbar an Training an. Klinisch bedeutsam wird sie vor allem, wenn sie vernarbt und schrumpft, wie bei der Frozen Shoulder .
Mehr dazu: Schultersteife (Frozen Shoulder)
Impingement
Wörtlich „Einklemmung". Der historische Name für den häufigsten Schulterschmerz, verbunden mit der Vorstellung, die Sehnen der Rotatorenmanschette stießen beim Heben des Arms am Schulterdach an. Dieses Erklärungsmodell trägt nicht mehr: Die Form des Schulterdachs hängt nur schwach mit den Beschwerden zusammen, und die Operation, die den Raum erweitert, ist einer Scheinoperation nicht überlegen. Heute spricht man vom Rotatorenmanschetten-bezogenen Schulterschmerz.
Mehr dazu: Schulterschmerz und Rotatorenmanschette
Kalkschulter
Umschriebenes Kalkdepot in einer Sehne der Rotatorenmanschette , fachlich kalzifizierende Tendinopathie. Sie ist weder Verschleiß noch Überlastungsfolge, sondern ein eigenständiger Prozess in Phasen. Die Auflösungsphase ist oft sehr schmerzhaft, leitet aber die Heilung ein. In der stabilen Phase sind Stoßwellentherapie und ultraschallgesteuertes Anstechen des Depots die belegten Optionen.
Mehr dazu: Der Sonderfall Kalkschulter
Kardiorespiratorische Fitness
Die messbare Leistungsfähigkeit von Herz, Kreislauf und Lunge unter Belastung, also die Ausdauerfitness. Sie lässt sich in einem Belastungstest bestimmen und ist einer der verlässlichsten Vorhersagewerte für die langfristige Gesundheit. Menschen mit sehr geringer Ausdauerfitness tragen ein deutlich höheres Sterberisiko. Der größte Gewinn liegt dabei nicht an der Spitze, sondern am unteren Ende: Der Schritt von fast keiner Aktivität zu etwas Aktivität bringt mehr als jede weitere Steigerung danach.
Mehr dazu: Was Training im Alter bringt
Krankengymnastik am Gerät
Angeleitetes Training an Geräten in einer physiotherapeutischen Praxis, das als Heilmittel ärztlich verordnet wird. Für chronifizierte Schmerzsyndrome, darunter Fibromyalgie und neuropathische Schmerzen, ist es im Heilmittelkatalog ausdrücklich vorgesehen und damit der wichtigste Verordnungsweg für strukturiertes Training. Der in der Physiotherapie gebräuchliche Begriff „medizinische Trainingstherapie" bezeichnet dieselbe Sache, ist aber keine Verordnungskategorie.
Mehr dazu: Wege zu einem Bewegungsangebot
Magnesium
Ein lebenswichtiger Mineralstoff, der an über 300 Stoffwechselprozessen beteiligt ist. In der Schmerzmedizin hat Magnesium ein klar umrissenes, aber schmales Einsatzgebiet. Belastbar ist die Wirkung als Bestandteil einer Schmerztherapie während größerer Operationen (durch die Anästhesie verabreicht) und mit Einschränkungen als Vorbeugung der Migräne. Bei nächtlichen Wadenkrämpfen im höheren Lebensalter spricht die aktuelle Studienlage gegen eine Routinegabe. Wichtig in der Praxis ist die Unterscheidung zwischen reinem Magnesium und dem zugehörigen Salz, weil Packungsangaben sich auf das gesamte Salz beziehen, klinische Dosis-Angaben aber meist auf das reine Magnesium.
Mehr dazu: Magnesium bei Schmerz: Wann sinnvoll, wann verzichtbar
Manuelle Lymphdrainage
Eine spezielle Massageform mit sanften, rhythmischen Griffen, die den Abfluss von Gewebeflüssigkeit über die Lymphbahnen fördert. Sie ist ein ärztlich verordnetes Heilmittel mit klarer Indikation beim Lymphödem, etwa nach Operationen oder Lymphknotenentfernung, und ist Teil der komplexen Entstauungstherapie. In der Behandlung chronischer Schmerzen spielt sie keine eigenständige Hauptrolle.
Mehr dazu: Komplementäre Verfahren
Manuelle Medizin
Eine ärztliche Zusatzqualifikation zur Untersuchung und Behandlung von Funktionsstörungen an Gelenken und Muskeln mit den Händen. Der ältere deutsche Begriff „Chirotherapie" und das heute übliche „manuelle Medizin" bezeichnen im Kern dasselbe ärztliche Gebiet. Sie ist von der manuellen Therapie (Physiotherapie) zu unterscheiden, mit der sie sich inhaltlich überschneidet.
Mehr dazu: Komplementäre Verfahren
Manuelle Therapie
Eine Zusatzausbildung für Physiotherapeuten, ärztlich verordnet und Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Inhaltlich überschneidet sie sich stark mit der ärztlichen manuellen Medizin; etablierte Konzepte sind Maitland und Kaltenborn. Schnelle Impulstechniken an der Halswirbelsäule bleiben in Deutschland überwiegend dem Arzt vorbehalten.
Mehr dazu: Komplementäre Verfahren
Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz
Ein Kopfschmerz, der durch zu häufige Einnahme von Akut- oder Migränemitteln entsteht und einen vorbestehenden Kopfschmerz häufiger und dauerhaft werden lässt. Als Orientierung gilt: Triptane und Kombinationsschmerzmittel an höchstens zehn, einfache Schmerzmittel an höchstens 15 Tagen im Monat. Behandelt wird vor allem durch eine ärztlich begleitete Reduktion der Akutmedikation.
Mehr dazu: Migräne
Mobilisation und Manipulation
Zwei Grundtechniken manueller Verfahren. Mobilisation ist ein sanftes, wiederholtes Bewegen im schmerzfreien Bereich. Manipulation ist ein kurzer, schneller Impuls, umgangssprachlich „Einrenken", oft mit hörbarem Knacken. Dieses Geräusch ist kein Zeichen für einen zuvor „ausgerenkten" Wirbel, sondern ein harmloses Phänomen im Gelenk.
Mehr dazu: Komplementäre Verfahren
Multimodal
Bezeichnet einen Therapieansatz, der mehrere Ebenen berücksichtigt: körperlich, psychologisch, sozial. Multimodal heißt nicht „möglichst viele Maßnahmen gleichzeitig", sondern „mehrdimensional gedacht". Entscheidend ist die Abstimmung der Bausteine, nicht ihre Anzahl. Bei festgefahrenen Verläufen kommt die multimodale Schmerztherapie als zeitlich begrenztes interdisziplinäres Programm zum Einsatz.
Mehr dazu: Multimodale Schmerztherapie
Osteopathie
Ein manuelles Verfahren, das Ende des 19. Jahrhunderts in den USA entstand. Dort ist es heute ein vollwertiges Medizinstudium (Doctor of Osteopathic Medicine), in Deutschland dagegen kein eigener staatlich geregelter Heilberuf: Osteopathie gilt als Heilkunde und darf nur von Ärzten oder Heilpraktikern eigenverantwortlich ausgeübt werden. Sie umfasst einen parietalen (Muskeln, Gelenke), einen viszeralen (innere Organe) und einen kraniosakralen Bereich, von denen der letzte wissenschaftlich umstritten ist.
Mehr dazu: Komplementäre Verfahren
Pacing
Ein Ordnungsprinzip für Aktivität und Erholung bei chronischen Schmerzen. Ziel ist nicht Schonung und nicht Steigerung, sondern Verlässlichkeit: Belastung wird so dosiert, dass sie auch an schlechten Tagen wiederholbar bleibt. Pacing bricht das Boom-and-Bust-Muster, in dem Phasen hoher Aktivität in Phasen kompletter Überlastung umschlagen. Es ist kein Trainingskonzept, sondern eine Strategie für den Alltag.
Mehr dazu: Pacing und Routinen
Radikulopathie
Schmerzen, Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen, die durch eine Reizung oder Kompression einer Nervenwurzel am Rückenmark entstehen. Typisch ist eine Ausstrahlung entlang des Versorgungsgebiets dieser Wurzel: bei lumbalen Bandscheibenvorfällen meist ins Bein, im Volksmund „Ischias", bei zervikalen Vorfällen in den Arm. Radikulopathien sind in den meisten Fällen vorübergehend und bilden sich unter konservativer Therapie zurück.
Mehr dazu: Bandscheibenvorfall: Wie lange dauert die Genesung?
Rehabilitationssport
Bewegung in der Gruppe, geleitet von speziell qualifizierten Übungsleitern, meist im Verein oder in einer Reha-Einrichtung. Die Ärztin oder der Arzt verordnet ihn auf einem eigenen Formular (Muster 56), im Regelfall 50 Übungseinheiten innerhalb von 18 Monaten. Über die gesetzliche Krankenversicherung ist dafür keine vorangegangene Rehabilitation nötig, ein häufiges Missverständnis. Anders als das Funktionstraining ist er nicht auf einzelne Körperregionen zugeschnitten.
Mehr dazu: Wege zu einem Bewegungsangebot
Rektusdiastase
Ein vergrößerter Abstand der beiden geraden Bauchmuskeln in der Mittellinie, meist infolge einer Schwangerschaft. Sie beschreibt zunächst die Form der Bauchwand und ist nicht dasselbe wie ein Bruch (Hernie). In der Spätschwangerschaft ist sie fast die Regel und bildet sich nach der Geburt bei vielen Frauen über Wochen bis Monate zurück. Ein Zusammenhang mit Rücken- oder Beckenschmerzen ist nicht gesichert.
Mehr dazu: Schwangerschaft und Stillzeit: Bänder, Bauchwand und Knochen
Relaxin
Ein Hormon, das in der Schwangerschaft ansteigt und Bindegewebe nachgiebiger macht, damit Beckenbänder und Schambeinfuge für die Geburt nachgeben können. Beim Menschen ist der Spiegel gegen Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels am höchsten. Ein einfacher Zusammenhang zwischen Relaxin und Beckengürtelschmerz oder einer allgemeinen Bänderlockerung ist nicht belegt.
Mehr dazu: Schwangerschaft und Stillzeit: Bänder, Bauchwand und Knochen
Rotatorenmanschette
Gruppe aus vier Muskeln mit ihren Sehnen, die den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne zentrieren und das Heben und Drehen des Arms führen. Ihre Sehnen sind der häufigste Ausgangspunkt von Schulterschmerz. Bemerkenswert ist die Entkopplung von Bild und Beschwerde: Sehnenrisse der Rotatorenmanschette finden sich bei über 60-Jährigen auch ohne jede Beschwerde bei mehr als der Hälfte der Untersuchten.
Mehr dazu: Schulterschmerz und Rotatorenmanschette
Sarkopenie
Der altersbedingte Verlust an Muskelkraft und Muskelmasse. Entscheidend ist dabei die Kraft, nicht die Masse: Sie nimmt etwa dreimal so schnell ab, und wer Muskelmasse aufbaut, behält deswegen nicht automatisch seine Kraft. Die europäische Fachdefinition führt deshalb seit 2019 die geringe Muskelkraft als Hauptkriterium. Bei chronischen Schmerzen läuft der Prozess oft schneller ab, weil Schonung ihn beschleunigt (siehe Dekonditionierung ). Er ist in jedem Lebensalter durch Training umkehrbar.
Mehr dazu: Was Training im Alter bringt
Schmerzgedächtnis
Ein Sammelbegriff für die veränderte Reaktionsbereitschaft des Nervensystems nach längeren oder wiederkehrenden Schmerzepisoden. Das Schmerzgedächtnis ist keine bewusste Erinnerung, sondern eine biologische Anpassung: Reize werden empfindlicher verarbeitet, Schmerz wird leichter ausgelöst. Diese Veränderung kann auch dann bestehen bleiben, wenn der ursprüngliche Auslöser längst abgeklungen ist.
Mehr dazu: Schmerzmodelle
Schmerzverarbeitung
Schmerz entsteht nicht im Gewebe, sondern im Nervensystem. Reize aus dem Körper werden aufgenommen, bewertet und im Gehirn verarbeitet. Diese Verarbeitung wird von Erfahrungen, Erwartungen, Aufmerksamkeit, Stress und Kontext beeinflusst. Bei chronischen Schmerzen ist sie häufig verändert: Das System reagiert sensibler und schneller, auch ohne akute Gefahr.
Mehr dazu: Schmerzmodelle
Schnellkraft
Die Fähigkeit, Kraft schnell aufzubringen, im Unterschied zur Maximalkraft, die nur angibt, wie viel Kraft überhaupt möglich ist. Für den Alltag im Alter ist die Schnellkraft die wichtigere Größe: Ob jemand einen Stolperer abfängt oder zügig aus dem Sessel hochkommt, entscheidet sich in Sekundenbruchteilen. Sie lässt früher und deutlicher nach als die Maximalkraft und wird im Training gefördert, indem ein Teil der Wiederholungen zügig ausgeführt wird.
Mehr dazu: Was Training im Alter bringt
Evidenz
Die Gesamtheit dessen, was sich über die Wirkung einer Behandlung belegen lässt. Eine gute Evidenzlage bedeutet, dass eine Maßnahme in aussagekräftigen Studien geprüft wurde. Eine dünne Evidenzlage bedeutet nicht, dass etwas unwirksam ist. Sie bedeutet oft nur, dass sich die Maßnahme schlecht in eine Studie fassen lässt oder dass niemand die Studie bezahlt hat. Aus einer Lücke folgt Unsicherheit, nicht Beliebigkeit.
Mehr dazu: Was wir wissen und was nicht
Placeboeffekt
Eine Besserung, die nicht auf den eigentlichen Wirkstoff oder Eingriff zurückgeht, sondern auf Erwartung, Zuwendung und den Umstand der Behandlung selbst. Der Effekt ist real und für den Betroffenen spürbar. Für die Beurteilung einer Behandlung ist er trotzdem ein Problem, weil er sich nur durch den Vergleich mit einer Scheinbehandlung von der eigentlichen Wirkung trennen lässt.
Mehr dazu: Was wir wissen und was nicht
Selbstwirksamkeit
Der erlebte Einfluss auf den eigenen Umgang mit Beschwerden. Bei chronischen Schmerzen bedeutet Selbstwirksamkeit nicht, den Schmerz kontrollieren oder beseitigen zu können. Gemeint ist der Einfluss auf Tempo, Struktur, Erwartungen und Reaktionen. Realistische Selbstwirksamkeit schließt ausdrücklich ein, dass nicht alles beeinflussbar ist.
Mehr dazu: Psyche und Soziales
Schmerzschwankungen
Tagesweise und über Wochen hinweg wechselnde Schmerzintensität bei chronischen Schmerzen. Sie sind die Regel, nicht die Ausnahme, und werden vor allem durch Schlaf, Belastungsmuster und Stress moduliert. Mehr Schmerz an einem Tag bedeutet bei chronischem Verlauf nicht automatisch mehr Schaden, sondern eine vorübergehend höhere Empfindlichkeit. Hilfreich ist die Trennung zwischen üblichen Schwankungen (innerhalb der gewohnten Bandbreite) und Flare-Ups (deutlich außerhalb der Bandbreite, mit eigenständigem Behandlungsbedarf).
Mehr dazu: Schmerzschwankungen verstehen
Sensibilisierung
Der biologische Vorgang, durch den das Nervensystem auf wiederholte oder anhaltende Reize empfindlicher reagiert. Eine zentrale Sensibilisierung bedeutet: Reize, die ein gesundes System unauffällig einordnet, werden als Schmerz erlebt. Sensibilisierung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine nachvollziehbare Schutzreaktion, die sich bei chronischen Schmerzen verselbständigen kann.
Mehr dazu: Schmerzmodelle
STarT-Back-Fragebogen
Ein kurzer Fragebogen mit neun Fragen, der bei Rückenschmerzen das Risiko für einen anhaltenden Verlauf einschätzt. Das Ergebnis teilt in niedriges, mittleres und hohes Risiko und hilft, die Intensität der Behandlung passend zu wählen. Für den deutschsprachigen Raum liegt eine geprüfte Fassung vor (STarT-G).
Mehr dazu: Unspezifischer Rückenschmerz
Trigeminusneuralgie
Ein neuropathischer Gesichtsschmerz, der blitzartig, einseitig und nur Sekunden andauernd einschießt, oft ausgelöst durch alltägliche Reize wie Berührung, Kauen oder Sprechen. Der Trigeminusnerv versorgt das Gesicht mit Gefühl; bei der Trigeminusneuralgie setzt er harmlose Reize in heftige Schmerzimpulse um. Die Erkrankung wird häufig mit Zahnbeschwerden verwechselt, ist aber in den meisten Fällen gut behandelbar.
Mehr dazu: Trigeminusneuralgie
Triptan
Eine Gruppe speziell für die Migräne entwickelter Akutmedikamente. Triptane wirken gezielt an Serotonin-Rezeptoren und können eine Migräneattacke unterbrechen, wenn sie früh eingenommen werden. Bei bestimmten Herz- und Gefäßerkrankungen sind sie nicht geeignet.
Mehr dazu: Migräne
Yellow Flags
Psychosoziale Risikofaktoren, die das Risiko erhöhen, dass Schmerzen anhalten: etwa die Überzeugung, Bewegung schade dem Rücken, die Sorge vor einem ernsten Schaden, gedrückte Stimmung oder anhaltender Stress. Anders als Red Flags (Warnzeichen für gefährliche Ursachen) zeigen sie keine Gefahr an, sondern ein erhöhtes Chronifizierungsrisiko. Yellow Flags sind veränderbar und damit ein wichtiger Ansatzpunkt für die Behandlung.
Mehr dazu: Unspezifischer Rückenschmerz