Diese Seite erklärt Begriffe knapp, wie sie auf der DSG-Webseite verwendet werden. Die Definitionen sind keine Lehrbuch-Einträge und ersetzen keine ärztliche Aufklärung. Die Begriffe sind direkt anlinkbar über die Anker (z.B. /begriffe/#pacing).
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Akuter Schmerz
Schmerz, der unmittelbar auf eine Verletzung, eine Entzündung oder eine andere akute Reizursache reagiert. Akuter Schmerz hat eine klare Warnfunktion und klingt mit der Heilung ab. Anders als chronischer Schmerz ist er meist proportional zum auslösenden Ereignis.
Mehr dazu: Akuter Schmerz: was in den ersten Tagen sinnvoll ist
Biopsychosoziales Modell
Ein Rahmen, in dem chronische Schmerzen als Ergebnis eines Zusammenspiels biologischer Prozesse, psychologischer Faktoren und sozialer Einflüsse verstanden werden. Das Modell ersetzt keine medizinische Abklärung und ist keine Psychologisierung von Schmerzen. Es erweitert den Blick über rein strukturelle Erklärungen hinaus und bildet die Komplexität chronischer Schmerzverläufe realistisch ab.
Mehr dazu: Schmerzmodelle
Chronischer Schmerz
In der Medizin gilt Schmerz als chronisch, wenn er länger als drei Monate besteht oder immer wiederkehrt. Entscheidend ist nicht nur die Dauer, sondern eine veränderte Funktion: Während akuter Schmerz eine Warnfunktion hat, verliert chronischer Schmerz diese Rolle häufig und wird zu einem eigenständigen Zustand. Er ist real und ernstzunehmen, auch wenn keine eindeutige Gewebeschädigung vorliegt.
Mehr dazu: Chronische Schmerzen verstehen
Multimodal
Bezeichnet einen Therapieansatz, der mehrere Ebenen berücksichtigt: körperlich, psychologisch, sozial. Multimodal heißt nicht „möglichst viele Maßnahmen gleichzeitig", sondern „mehrdimensional gedacht". Entscheidend ist die Abstimmung der Bausteine, nicht ihre Anzahl. Bei festgefahrenen Verläufen kommt die multimodale Schmerztherapie als zeitlich begrenztes interdisziplinäres Programm zum Einsatz.
Mehr dazu: Schmerzmedizin
Pacing
Ein Ordnungsprinzip für Aktivität und Erholung bei chronischen Schmerzen. Ziel ist nicht Schonung und nicht Steigerung, sondern Verlässlichkeit: Belastung wird so dosiert, dass sie auch an schlechten Tagen wiederholbar bleibt. Pacing bricht das Boom-and-Bust-Muster, in dem Phasen hoher Aktivität in Phasen kompletter Überlastung umschlagen. Es ist kein Trainingskonzept, sondern eine Strategie für den Alltag.
Mehr dazu: Pacing und Routinen
Schmerzgedächtnis
Ein Sammelbegriff für die veränderte Reaktionsbereitschaft des Nervensystems nach längeren oder wiederkehrenden Schmerzepisoden. Das Schmerzgedächtnis ist keine bewusste Erinnerung, sondern eine biologische Anpassung: Reize werden empfindlicher verarbeitet, Schmerz wird leichter ausgelöst. Diese Veränderung kann auch dann bestehen bleiben, wenn der ursprüngliche Auslöser längst abgeklungen ist.
Mehr dazu: Schmerzmodelle
Schmerzverarbeitung
Schmerz entsteht nicht im Gewebe, sondern im Nervensystem. Reize aus dem Körper werden aufgenommen, bewertet und im Gehirn verarbeitet. Diese Verarbeitung wird von Erfahrungen, Erwartungen, Aufmerksamkeit, Stress und Kontext beeinflusst. Bei chronischen Schmerzen ist sie häufig verändert: Das System reagiert sensibler und schneller, auch ohne akute Gefahr.
Mehr dazu: Schmerzmodelle
Selbstwirksamkeit
Der erlebte Einfluss auf den eigenen Umgang mit Beschwerden. Bei chronischen Schmerzen bedeutet Selbstwirksamkeit nicht, den Schmerz kontrollieren oder beseitigen zu können. Gemeint ist der Einfluss auf Tempo, Struktur, Erwartungen und Reaktionen. Realistische Selbstwirksamkeit schließt ausdrücklich ein, dass nicht alles beeinflussbar ist.
Mehr dazu: Psyche und Soziales
Sensibilisierung
Der biologische Vorgang, durch den das Nervensystem auf wiederholte oder anhaltende Reize empfindlicher reagiert. Eine zentrale Sensibilisierung bedeutet: Reize, die ein gesundes System unauffällig einordnet, werden als Schmerz erlebt. Sensibilisierung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine nachvollziehbare Schutzreaktion, die sich bei chronischen Schmerzen verselbständigen kann.
Mehr dazu: Schmerzmodelle