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Alle Artikel der Webseite nach Themen sortiert finden Sie unter Stichworte .
Akuter Schmerz
Schmerz, der unmittelbar auf eine Verletzung, eine Entzündung oder eine andere akute Reizursache reagiert. Akuter Schmerz erfüllt meist eine Warnfunktion und klingt mit der Heilung ab. Beides gilt nicht durchgängig: Migräne, Nervenschmerz und Kolik lassen sich als Warnung nicht sinnvoll beschreiben, und aus der Schmerzstärke folgt auch akut kein Ausmaß an Gewebeschaden.
Mehr dazu: Akuter Schmerz: was in den ersten Tagen sinnvoll ist
Allodynie
Schmerz durch einen Reiz, der normalerweise nicht schmerzhaft ist: die Bettdecke auf der Haut, eine leichte Berührung, der Druck beim Sitzen. Allodynie ist kein Zeichen von Überempfindlichkeit im übertragenen Sinn, sondern eine veränderte Verarbeitung im Nervensystem. Sie tritt bei neuropathischen Schmerzen auf und bei Beschwerdebildern mit veränderter zentraler Schmerzverarbeitung.
Mehr dazu: Zentrale Sensibilisierung
Arthrodese (Gelenkversteifung)
Eine Operation, bei der die Knochen eines Gelenks dauerhaft miteinander verbunden werden, sodass sich das Gelenk nicht mehr bewegt. Ziel ist ein belastbares und schmerzärmeres Gelenk, erkauft mit dem Verlust der Beweglichkeit. Am Sprunggelenk steht die Versteifung als Alternative zum künstlichen Gelenk zur Wahl, am Großzehengrundgelenk kommt sie bei fortgeschrittenem Befund infrage.
Mehr dazu: Arthrose im Sprunggelenk und Fuß
Arthrose
Ein langsamer Umbau des Gelenks, an dem Knorpel, Knochen, Kapsel und Gelenkschleimhaut beteiligt sind. Das gebräuchliche Wort „Verschleiß" trifft den Vorgang nur ungenau, weil es nach linearem Abnutzen klingt: Es gibt Phasen mit mehr und Phasen mit weniger Aktivität, und viele Verläufe bleiben über Jahre stabil. Bildbefund und Beschwerden hängen dabei nur lose zusammen, deutliche Veränderungen finden sich häufig auch bei Menschen ohne Schmerzen.
Mehr dazu: Gelenkschmerz und Arthrose
Arthroskopie (Gelenkspiegelung)
Ein Eingriff, bei dem über kleine Schnitte eine Kamera und Instrumente ins Gelenk eingeführt werden. Am Knie wurde sie lange bei verschleißbedingten Meniskusrissen eingesetzt. Nach den vorliegenden randomisierten Studien fällt der Unterschied zu Training in dieser Situation so klein aus, dass Betroffene ihn nicht bemerken. Eine enge Ausnahme bleibt die echte mechanische Blockade, bei der sich das Knie nicht mehr strecken lässt.
Mehr dazu: Knie-Arthrose
Aura
Vorübergehende neurologische Reizerscheinungen, die bei einem Teil der Migränebetroffenen dem Kopfschmerz vorausgehen oder ihn begleiten. Am häufigsten sind Sehstörungen wie Flimmern oder Zickzacklinien, seltener ein Kribbeln oder Sprachstörungen. Eine Aura entwickelt sich langsam über Minuten und bildet sich vollständig zurück.
Mehr dazu: Migräne
Biopsychosoziales Modell
Ein Rahmen, in dem chronische Schmerzen als Ergebnis eines Zusammenspiels biologischer Prozesse, psychologischer Faktoren und sozialer Einflüsse verstanden werden. Das Modell ersetzt keine medizinische Abklärung und ist keine Psychologisierung von Schmerzen. Es erweitert den Blick über rein strukturelle Erklärungen hinaus und bildet die Komplexität chronischer Schmerzverläufe realistisch ab.
Mehr dazu: Schmerzmodelle
CGRP-Antikörper und Gepante
Neuere, gezielt für die Migräne entwickelte Medikamente. Sie greifen in die Signalkette des Botenstoffs CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) ein, der bei der Entstehung von Migräneattacken eine zentrale Rolle spielt. CGRP-Antikörper werden gespritzt und zur Vorbeugung eingesetzt, Gepante sind Tabletten zur Akutbehandlung oder Vorbeugung.
Mehr dazu: Migräne
Chiropraktik
International, vor allem im englischsprachigen Raum, ein eigenständiger akademischer Heilberuf (Doctor of Chiropractic), begründet von Daniel D. Palmer 1895. In Deutschland gibt es diesen Beruf in dieser Form nicht: Wer sich hier „Chiropraktiker" nennt, ist meist Heilpraktiker mit chiropraktischer Zusatzausbildung. Die ärztliche Variante derselben Techniken läuft unter manueller Medizin. Die klangliche Nähe zur Chirotherapie ist historisch bedingt und führt oft zu Verwechslungen.
Mehr dazu: Komplementäre Verfahren
Chronischer Schmerz
In der Medizin gilt Schmerz als chronisch, wenn er länger als drei Monate besteht oder immer wiederkehrt. Entscheidend ist nicht nur die Dauer, sondern eine veränderte Funktion: Während akuter Schmerz eine Warnfunktion hat, verliert chronischer Schmerz diese Rolle häufig und wird zu einem eigenständigen Zustand. Er ist real und ernstzunehmen, auch wenn keine eindeutige Gewebeschädigung vorliegt.
Mehr dazu: Chronische Schmerzen verstehen
Cochrane-Übersicht
Eine systematische Übersichtsarbeit des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane. Sie fasst alle verwertbaren Studien zu einer Behandlungsfrage nach festen methodischen Regeln zusammen und bewertet, wie vertrauenswürdig das Gesamtergebnis ist. Cochrane-Übersichten gelten als eine der verlässlichsten Quellen für die Frage, ob eine Behandlung wirkt; sie können ein Verfahren stützen oder, ebenso wichtig, einen fehlenden Nutzen belegen.
Mehr dazu: CRPS
Degenerativer Meniskusriss
Ein Riss im Meniskus, der ohne Unfall entstanden ist. Er gehört zum Bild der Knie-Arthrose und ist kein eigenständiges Ereignis: Bei beschwerdefreien Erwachsenen ab 40 Jahren findet er sich im MRT bei etwa jedem fünften. Für die Behandlung heißt das, dass ein solcher Riss im Bild die Beschwerden nicht automatisch erklärt und die Kniespiegelung außerhalb der echten Blockade keinen spürbaren Vorteil bringt.
Mehr dazu: Knie-Arthrose
Dekonditionierung
Verlust an körperlicher Belastbarkeit, Beweglichkeit und Ausdauer nach längerer Inaktivität. Dekonditionierung entsteht häufig im Verlauf chronischer Schmerzen, wenn Bewegung aus Vorsicht oder aus Angst vor Verschlimmerung zurückgenommen wird. Sie verstärkt häufig die Schmerzproblematik, ist aber nicht endgültig: ein gezielter, dosierter Wiederaufbau über Wochen bis Monate kehrt den Prozess in vielen Fällen um.
Mehr dazu: Bewegung bei chronischen Schmerzen
Endoprothese (Gelenkersatz)
Ein künstliches Gelenk, das ein zerstörtes Gelenk ganz oder teilweise ersetzt. Bei fortgeschrittener Knie- und Hüftarthrose ist die Wirkung auf Schmerz und Alltagsfunktion belegt; ein Automatismus am Ende der Behandlungskette ist die Operation trotzdem nicht, und der Zeitpunkt ist verhandelbar. Ein Teil der Operierten behält langfristig Beschwerden. Am engsten mit Unzufriedenheit verknüpft sind nicht erfüllte Erwartungen, weshalb das eigene Ziel vor dem Eingriff konkret besprochen werden sollte.
Mehr dazu: Knie-Arthrose
Ergotherapie und Gelenkschutz
Die Ergotherapie setzt an den Handlungen des Alltags an und schult unter anderem den Gelenkschutz. Gelenkschutz heißt, Last auf größere Gelenke und längere Hebel zu verteilen und anhaltende Kraftgriffe zu vermeiden: Öffnungshilfen statt Kraft aus dem Daumen, Taschen über dem Unterarm statt in den Fingern, Griffverdickungen an Stiften und Besteck. Bei Handarthrose gehört die Gelenkschutzschulung zu den am besten untersuchten Bausteinen.
Mehr dazu: Handarthrose und Daumensattelgelenk
Facettengelenk (Spondylarthrose)
Die kleinen Gelenke an der Rückseite der Wirbelsäule, über die jeder Wirbel mit dem darüber- und dem darunterliegenden verbunden ist. Sie führen die Bewegung und begrenzen sie. Verschleißzeichen an ihnen heißen im Befund Spondylarthrose oder Facettenarthrose und sind ab dem mittleren Lebensalter auch bei Menschen ohne Rückenschmerzen verbreitet. Der Bildbefund allein weist die Facettengelenke deshalb nicht als Schmerzquelle aus.
Mehr dazu: Arthrose der kleinen Wirbelgelenke
Faszie
Flächige Bindegewebshülle, die Muskeln umgibt und durchzieht. Faszien sind mit Schmerzfasern versorgt und können selbst Schmerz erzeugen: Die große Rückenfaszie ist das schmerzempfindlichste tiefe Gewebe des Rückens. Nicht haltbar ist dagegen die verbreitete Vorstellung, Faszien könnten „verkleben" und sich von Hand oder mit einer Rolle wieder lösen. Dafür wären Kräfte in der Größenordnung mehrerer hundert Kilogramm nötig.
Mehr dazu: Faszienrolle: Was sie kann und was nicht
Frozen Shoulder
Auch Schultersteife oder adhäsive Kapsulitis. Eine schmerzhafte Erkrankung der Gelenkkapsel mit zunehmender Bewegungseinschränkung, besonders der Außendrehung. Sie ist keine Überlastungs- oder Verschleißerkrankung, sondern ein narbiger Umbau der Kapsel. Häufig mit Diabetes vergesellschaftet.
Mehr dazu: Schultersteife (Frozen Shoulder)
Funktionstraining
Bewegungsangebot in der Gruppe, das die Ärztin oder der Arzt auf einem eigenen Formular (Muster 56) verordnet und das überwiegend von Physiotherapeuten geleitet wird. Es ist gezielter auf die betroffenen Körperregionen ausgerichtet als der Rehabilitationssport und läuft im Regelfall zwölf Monate. Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, Fibromyalgie und Osteoporose sind es 24 Monate.
Mehr dazu: Wege zu einem Bewegungsangebot
Gabapentinoide
Die Wirkstoffe Gabapentin und Pregabalin, ursprünglich als Epilepsie-Medikamente entwickelt. Sie dämpfen überaktive Nervensignale und gehören beim Nervenschmerz zu den Mitteln der ersten Wahl. Ihre Wirkung ist je nach Schmerzform unterschiedlich gut belegt; sie machen nicht schmerzfrei, sondern senken die Schmerzstärke bei einem Teil der Behandelten spürbar. Müdigkeit und Schwindel sind häufige Nebenwirkungen, das Absetzen erfolgt schrittweise.
Mehr dazu: Medikamente
Gelenkkapsel
Bindegewebige Hülle, die jedes Gelenk umschließt, es stabilisiert und die Gelenkflüssigkeit bildet. Anders als Sehnen passt sich die Gelenkkapsel nach heutigem Kenntnisstand nicht messbar an Training an. Klinisch bedeutsam wird sie vor allem, wenn sie vernarbt und schrumpft, wie bei der Frozen Shoulder .
Mehr dazu: Schultersteife (Frozen Shoulder)
Graded Motor Imagery
Ein dreistufiges Übungsprogramm für Schmerzen, bei denen die Bewegung selbst das Hindernis ist. Es beginnt mit dem Unterscheiden rechter und linker Gliedmaßen auf Bildern, geht dann zur reinen Bewegungsvorstellung über und endet mit der Spiegeltherapie . Untersucht ist es beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom und beim Phantomschmerz, dort mit kleinen Studien und entsprechend unsicherer Datenlage. Für andere Schmerzformen fehlen belastbare Belege.
Mehr dazu: Spiegeltherapie und Graded Motor Imagery
Spiegeltherapie
Die dritte und letzte Stufe des Graded Motor Imagery . Ein Spiegel verdeckt die betroffene Gliedmaße und zeigt an ihrer Stelle das Spiegelbild der gesunden Seite, die sich normal bewegt. Das Verfahren setzt ein Gliedmaßenpaar voraus und ist deshalb auf Arme und Beine begrenzt; für Gesicht, Kopf und Rumpf gibt es keine entsprechende Form. In der Schlaganfall-Rehabilitation wird derselbe Aufbau mit einem anderen Ziel eingesetzt, nämlich zur Wiedererlangung von Beweglichkeit.
Mehr dazu: Spiegeltherapie und Graded Motor Imagery
Femoroazetabuläres Impingement (Hüfte)
Eine Formvariante des Hüftgelenks, bei der Schenkelhals und Gelenkpfanne beim Beugen und Drehen aneinanderstoßen, meist durch einen verdickten Übergang am Hüftkopf (Cam-Form) oder eine übergreifende Pfanne (Pincer-Form). Sie gilt als Vorstufe, aus der sich eine Hüftarthrose entwickeln kann, findet sich aber auch bei vielen Beschwerdefreien und besonders häufig bei Sportlerinnen und Sportlern. Behandelt wird deshalb das Beschwerdebild, nicht der Bildbefund. Nicht zu verwechseln mit dem Impingement an der Schulter, das ein anderes und inzwischen überholtes Erklärungsmodell bezeichnet.
Mehr dazu: Hüft-Arthrose
Hallux rigidus
Der Verschleiß des Großzehengrundgelenks und damit die häufigste Arthrose des Fußes. Typisch sind Schmerzen beim Abrollen, eine zunehmend eingeschränkte Streckung der Großzehe und Druck im Schuh über dem knöchernen Anbau. Versteifende Einlagen und Abrollhilfen sind die konservativen Kernmaßnahmen; sie sind günstig und zumutbar, wirken aber individuell unterschiedlich.
Mehr dazu: Arthrose im Sprunggelenk und Fuß
Heberden- und Bouchard-Knoten
Harte, knöcherne Auftreibungen an den Fingergelenken bei Handarthrose. An den Fingerendgelenken heißen sie Heberden-Knoten, an den Mittelgelenken Bouchard-Knoten. Sie entstehen über Jahre, oft in Schüben, die entzündlich wirken können. Am schmerzhaftesten sind sie meist während der Entstehung: Die veränderte Form bleibt, die Gelenke werden bei vielen Betroffenen im weiteren Verlauf aber ruhiger.
Mehr dazu: Handarthrose und Daumensattelgelenk
Hüftdysplasie
Eine von Geburt an oder seit dem Wachstum zu flache Hüftpfanne, die den Hüftkopf nicht ausreichend überdacht. Die Last verteilt sich dadurch auf eine kleinere Fläche. Die Hüftdysplasie gilt als gesicherte Vorstufe der Hüftarthrose. Bei jüngeren Betroffenen kann eine Umstellung der Pfanne (periazetabuläre Osteotomie ) in Frage kommen, solange die Arthrose noch nicht fortgeschritten ist.
Mehr dazu: Hüft-Arthrose
Hyaluronsäure
Ein natürlicher Bestandteil der Gelenkflüssigkeit, der als Spritze ins Gelenk angeboten wird. Die Bewertung fällt je nach Gelenk unterschiedlich aus: Am Knie wird sie zurückhaltend und uneinheitlich beurteilt, an der Hüfte nicht empfohlen, an der Schulter ist sie widersprüchlich untersucht. Am Sprunggelenk gibt es ein schwaches positives Signal aus zwei sehr kleinen Studien. In der Regel handelt es sich um eine Selbstzahlerleistung.
Mehr dazu: Knie-Arthrose
Hyperalgesie
Eine verstärkte Schmerzantwort auf einen Reiz, der ohnehin schmerzhaft ist. Dieselbe Bewegung oder derselbe Druck tut deutlich mehr weh als früher. Hyperalgesie und Allodynie treten oft zusammen auf und gehören zu den Zeichen, an denen sich eine veränderte Schmerzverarbeitung zeigt.
Mehr dazu: Zentrale Sensibilisierung
Impingement
Wörtlich „Einklemmung". Der historische Name für den häufigsten Schulterschmerz, verbunden mit der Vorstellung, die Sehnen der Rotatorenmanschette stießen beim Heben des Arms am Schulterdach an. Dieses Erklärungsmodell trägt nicht mehr: Die Form des Schulterdachs hängt nur schwach mit den Beschwerden zusammen, und die Operation, die den Raum erweitert, ist einer Scheinoperation nicht überlegen. Heute spricht man vom Rotatorenmanschetten-bezogenen Schulterschmerz.
Mehr dazu: Schulterschmerz und Rotatorenmanschette
Kalkschulter
Umschriebenes Kalkdepot in einer Sehne der Rotatorenmanschette , fachlich kalzifizierende Tendinopathie. Sie ist weder Verschleiß noch Überlastungsfolge, sondern ein eigenständiger Prozess in Phasen. Die Auflösungsphase ist oft sehr schmerzhaft, leitet aber die Heilung ein. In der stabilen Phase sind Stoßwellentherapie und ultraschallgesteuertes Anstechen des Depots die belegten Optionen.
Mehr dazu: Der Sonderfall Kalkschulter
Kardiorespiratorische Fitness
Die messbare Leistungsfähigkeit von Herz, Kreislauf und Lunge unter Belastung, also die Ausdauerfitness. Sie lässt sich in einem Belastungstest bestimmen und ist einer der verlässlichsten Vorhersagewerte für die langfristige Gesundheit. Menschen mit sehr geringer Ausdauerfitness tragen ein deutlich höheres Sterberisiko. Der größte Gewinn liegt dabei nicht an der Spitze, sondern am unteren Ende: Der Schritt von fast keiner Aktivität zu etwas Aktivität bringt mehr als jede weitere Steigerung danach.
Mehr dazu: Was Training im Alter bringt
Kollagen
Das Struktureiweiß, das Sehnen, Bändern, Knorpel und Haut ihre Zugfestigkeit gibt; im Körper ist es mengenmäßig am häufigsten vertreten. Das tragende Kollagen im Kern von Sehne, Knorpel und Bandscheibe wird nach dem Wachstum kaum noch erneuert, weshalb eine einmal geschädigte Stelle oft bestehen bleibt. Training baut diesen Kern nicht neu auf, verbessert aber die Belastbarkeit des vorhandenen Gewebes.
Mehr dazu: Sehnen, Faszien und Bindegewebe: was Training verändert
Kortisonspritze (Glukokortikoid-Injektion)
Eine örtliche Spritze mit einem entzündungshemmenden Kortison-Präparat, meist zusammen mit einem Betäubungsmittel, in ein Gelenk, eine Sehnenscheide, einen Schleimbeutel oder an eine Sehne. Ob sie nützt, hängt vom Zielgewebe ab: An der Sehnenscheide ist sie die erste Wahl, am Gelenk eine kurzfristige Überbrückung für einige Wochen, an der Sehne selbst bringt sie kurzfristige Erleichterung und nach einem Jahr ein schlechteres Ergebnis als Abwarten. Wiederholte Spritzen ins Knie sind mit Knorpelverlust verbunden.
Mehr dazu: Kortisonspritze: wann sie hilft und wann sie schadet
Krankengymnastik am Gerät
Angeleitetes Training an Geräten in einer physiotherapeutischen Praxis, das als Heilmittel ärztlich verordnet wird. Für chronifizierte Schmerzsyndrome, darunter Fibromyalgie und neuropathische Schmerzen, ist es im Heilmittelkatalog ausdrücklich vorgesehen und damit der wichtigste Verordnungsweg für strukturiertes Training. Der in der Physiotherapie gebräuchliche Begriff „medizinische Trainingstherapie" bezeichnet dieselbe Sache, ist aber keine Verordnungskategorie.
Mehr dazu: Wege zu einem Bewegungsangebot
Magnesium
Ein lebenswichtiger Mineralstoff, der an über 300 Stoffwechselprozessen beteiligt ist. In der Schmerzmedizin hat Magnesium ein klar umrissenes, aber schmales Einsatzgebiet. Belastbar ist die Wirkung als Bestandteil einer Schmerztherapie während größerer Operationen (durch die Anästhesie verabreicht) und mit Einschränkungen als Vorbeugung der Migräne. Bei nächtlichen Wadenkrämpfen im höheren Lebensalter spricht die aktuelle Studienlage gegen eine Routinegabe. Wichtig in der Praxis ist die Unterscheidung zwischen reinem Magnesium und dem zugehörigen Salz, weil Packungsangaben sich auf das gesamte Salz beziehen, klinische Dosis-Angaben aber meist auf das reine Magnesium.
Mehr dazu: Magnesium bei Schmerz: Wann sinnvoll, wann verzichtbar
Manuelle Lymphdrainage
Eine spezielle Massageform mit sanften, rhythmischen Griffen, die den Abfluss von Gewebeflüssigkeit über die Lymphbahnen fördert. Sie ist ein ärztlich verordnetes Heilmittel mit klarer Indikation beim Lymphödem, etwa nach Operationen oder Lymphknotenentfernung, und ist Teil der komplexen Entstauungstherapie. In der Behandlung chronischer Schmerzen spielt sie keine eigenständige Hauptrolle.
Mehr dazu: Komplementäre Verfahren
Manuelle Medizin
Eine ärztliche Zusatzqualifikation zur Untersuchung und Behandlung von Funktionsstörungen an Gelenken und Muskeln mit den Händen. Der ältere deutsche Begriff „Chirotherapie" und das heute übliche „manuelle Medizin" bezeichnen im Kern dasselbe ärztliche Gebiet. Sie ist von der manuellen Therapie (Physiotherapie) zu unterscheiden, mit der sie sich inhaltlich überschneidet.
Mehr dazu: Komplementäre Verfahren
Manuelle Therapie
Eine Zusatzausbildung für Physiotherapeuten, ärztlich verordnet und Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Inhaltlich überschneidet sie sich stark mit der ärztlichen manuellen Medizin; etablierte Konzepte sind Maitland und Kaltenborn. Schnelle Impulstechniken an der Halswirbelsäule bleiben in Deutschland überwiegend dem Arzt vorbehalten.
Mehr dazu: Komplementäre Verfahren
Medial-Branch-Blockade (Testblockade)
Eine Probespritze, bei der unter Röntgenkontrolle ein örtliches Betäubungsmittel an die beiden Nervenäste gebracht wird, die ein Facettengelenk versorgen. Lässt der Schmerz für die Wirkdauer deutlich nach, gilt das als Hinweis auf seine Herkunft. Ein besseres Verfahren steht derzeit nicht zur Verfügung, sicher ist das Ergebnis aber nicht: Falsch positive wie falsch negative Befunde kommen häufig vor, und Anzahl und Schwellenwert der Blockaden werden in den Leitlinien unterschiedlich festgelegt.
Mehr dazu: Arthrose der kleinen Wirbelgelenke
Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz
Ein Kopfschmerz, der durch zu häufige Einnahme von Akut- oder Migränemitteln entsteht und einen vorbestehenden Kopfschmerz häufiger und dauerhaft werden lässt. Als Orientierung gilt: Triptane und Kombinationsschmerzmittel an höchstens zehn, einfache Schmerzmittel an höchstens 15 Tagen im Monat. Behandelt wird vor allem durch eine ärztlich begleitete Reduktion der Akutmedikation.
Mehr dazu: Migräne
Mobilisation und Manipulation
Zwei Grundtechniken manueller Verfahren. Mobilisation ist ein sanftes, wiederholtes Bewegen im schmerzfreien Bereich. Manipulation ist ein kurzer, schneller Impuls, umgangssprachlich „Einrenken", oft mit hörbarem Knacken. Dieses Geräusch ist kein Zeichen für einen zuvor „ausgerenkten" Wirbel, sondern ein harmloses Phänomen im Gelenk.
Mehr dazu: Komplementäre Verfahren
Multimodal
Bezeichnet einen Therapieansatz, der mehrere Ebenen berücksichtigt: körperlich, psychologisch, sozial. Multimodal heißt nicht „möglichst viele Maßnahmen gleichzeitig", sondern „mehrdimensional gedacht". Entscheidend ist die Abstimmung der Bausteine, nicht ihre Anzahl. Bei festgefahrenen Verläufen kommt die multimodale Schmerztherapie als zeitlich begrenztes interdisziplinäres Programm zum Einsatz.
Mehr dazu: Multimodale Schmerztherapie
Nozizeption
Die Aktivität jener Nerven, die auf möglicherweise gewebeschädigende Reize reagieren: starker Druck, große Hitze, bestimmte Signalstoffe aus gereiztem Gewebe. Nozizeption und Schmerz sind nicht dasselbe. Es gibt nozizeptive Aktivität ohne Schmerzerleben, etwa in Narkose, und Schmerz, der sich durch nozizeptive Aktivität nicht hinreichend erklären lässt. Eine Stufe, ab der aus Nozizeption Schmerz wird, lässt sich nicht benennen.
Mehr dazu: Was ist Schmerz? Wofür ist er da?
Noziplastischer Schmerz
Die dritte Kategorie neben nozizeptivem und neuropathischem Schmerz. Gemeint ist Schmerz, der aus veränderter Schmerzverarbeitung entsteht, ohne dass eine ausreichende Gewebeschädigung oder eine Erkrankung des Nervensystems vorliegt. Der Begriff beschreibt das klinische Bild; die Sensibilisierung ist die Annahme darüber, was im Nervensystem dahintersteht. Beide überschneiden sich, sind aber nicht dasselbe.
Mehr dazu: Zentrale Sensibilisierung
Osteopathie
Ein manuelles Verfahren, das Ende des 19. Jahrhunderts in den USA entstand. Dort ist es heute ein vollwertiges Medizinstudium (Doctor of Osteopathic Medicine), in Deutschland dagegen kein eigener staatlich geregelter Heilberuf: Osteopathie gilt als Heilkunde und darf nur von Ärzten oder Heilpraktikern eigenverantwortlich ausgeübt werden. Sie umfasst einen parietalen (Muskeln, Gelenke), einen viszeralen (innere Organe) und einen kraniosakralen Bereich, von denen der letzte wissenschaftlich umstritten ist.
Mehr dazu: Komplementäre Verfahren
Periazetabuläre Osteotomie
Eine gelenkerhaltende Operation bei Hüftdysplasie : Die Gelenkpfanne wird aus dem Beckenknochen gelöst, neu ausgerichtet und in der besseren Stellung befestigt, sodass der Hüftkopf wieder ausreichend überdacht ist. Sie kommt in Betracht, solange die Arthrose noch nicht fortgeschritten ist, und gehört in spezialisierte Zentren. Dass sie eine spätere Arthrose tatsächlich verhindert, ist plausibel, aber nicht bewiesen.
Mehr dazu: Hüft-Arthrose
Pacing
Ein Ordnungsprinzip für Aktivität und Erholung bei chronischen Schmerzen. Ziel ist nicht Schonung und nicht Steigerung, sondern Verlässlichkeit: Belastung wird so dosiert, dass sie auch an schlechten Tagen wiederholbar bleibt. Pacing bricht das Boom-and-Bust-Muster, in dem Phasen hoher Aktivität in Phasen kompletter Überlastung umschlagen. Es ist kein Trainingskonzept, sondern eine Strategie für den Alltag.
Mehr dazu: Pacing und Routinen
Post-Exertional Malaise (PEM)
Eine Verschlechterung der Beschwerden nach Belastung, die für ME/CFS kennzeichnend ist. Typisch sind ein verzögerter Beginn nach Stunden oder am Folgetag, eine lange Dauer und die Verschlechterung mehrerer Beschwerden zugleich. Auslöser können körperliche, geistige, emotionale oder sensorische Belastungen sein. PEM ist der Grund, warum bei ME/CFS ein Training mit fester Steigerung schaden kann.
Mehr dazu: ME/CFS und Long COVID
Posttraumatische Arthrose
Ein Gelenkverschleiß, der auf eine frühere Verletzung zurückgeht, etwa einen Knöchelbruch, eine Bandverletzung oder wiederholtes Umknicken. Am oberen Sprunggelenk ist das der übliche Weg: In Untersuchungen aus spezialisierten Zentren ging der weitaus größte Teil der Fälle auf ein Trauma zurück. Betroffene sind deshalb im Schnitt jünger als bei Knie- und Hüftarthrose, und meist ist nur ein Gelenk betroffen.
Mehr dazu: Arthrose im Sprunggelenk und Fuß
POTS
Posturales Tachykardiesyndrom, eine Störung der Kreislaufregulation. Beim Aufrichten steigt die Herzfrequenz stark an, oft mit Schwindel, Herzrasen, Benommenheit und Erschöpfung. POTS tritt gehäuft bei ME/CFS und Long COVID auf und ist gezielt behandelbar. Erfasst wird es unter anderem mit einem einfachen Stehtest.
Mehr dazu: ME/CFS und Long COVID
PRP (plättchenreiches Plasma)
Aufbereitetes Eigenblut, das ins Gelenk gespritzt wird, auch Eigenblutverfahren genannt. Trotz vieler Veröffentlichungen ist die Studienqualität an den meisten Gelenken schwach. Am Sprunggelenk verglich eine Studie PRP mit einer Scheininjektion und fand über ein halbes Jahr keinen Unterschied in der erhofften Größenordnung. PRP ist damit weder als wirkungslos erwiesen noch als wirksam belegt. Am Knie führt die deutsche Leitlinie PRP als nachrangige Möglichkeit, wenn andere Maßnahmen ungeeignet, nicht vertragen oder wirkungslos sind. In jedem Fall handelt es sich um eine Selbstzahlerleistung.
Mehr dazu: Arthrose im Sprunggelenk und Fuß
Radikulopathie
Schmerzen, Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen, die durch eine Reizung oder Kompression einer Nervenwurzel am Rückenmark entstehen. Typisch ist eine Ausstrahlung entlang des Versorgungsgebiets dieser Wurzel: bei lumbalen Bandscheibenvorfällen meist ins Bein, im Volksmund „Ischias", bei zervikalen Vorfällen in den Arm. Radikulopathien sind in den meisten Fällen vorübergehend und bilden sich unter konservativer Therapie zurück.
Mehr dazu: Bandscheibenvorfall: Wie lange dauert die Genesung?
Radiofrequenzdenervierung
Ein Eingriff, bei dem die beiden Nervenäste, die ein Facettengelenk versorgen, über eine Sonde durch Hitze verödet werden. Das Gelenk selbst bleibt unverändert, unterbrochen wird die Schmerzmeldung. Weil Nerven nachwachsen, ist die Wirkung zeitlich begrenzt. Die Fachgesellschaften bewerten das Verfahren unterschiedlich, weil die gemessenen Durchschnittseffekte unter der Schwelle liegen, ab der ein Unterschied üblicherweise als spürbar gilt.
Mehr dazu: Arthrose der kleinen Wirbelgelenke
Rehabilitationssport
Bewegung in der Gruppe, geleitet von speziell qualifizierten Übungsleitern, meist im Verein oder in einer Reha-Einrichtung. Die Ärztin oder der Arzt verordnet ihn auf einem eigenen Formular (Muster 56), im Regelfall 50 Übungseinheiten innerhalb von 18 Monaten. Über die gesetzliche Krankenversicherung ist dafür keine vorangegangene Rehabilitation nötig, ein häufiges Missverständnis. Anders als das Funktionstraining ist er nicht auf einzelne Körperregionen zugeschnitten.
Mehr dazu: Wege zu einem Bewegungsangebot
Rektusdiastase
Ein vergrößerter Abstand der beiden geraden Bauchmuskeln in der Mittellinie, meist infolge einer Schwangerschaft. Sie beschreibt zunächst die Form der Bauchwand und ist nicht dasselbe wie ein Bruch (Hernie). In der Spätschwangerschaft ist sie fast die Regel und bildet sich nach der Geburt bei vielen Frauen über Wochen bis Monate zurück. Ein Zusammenhang mit Rücken- oder Beckenschmerzen ist nicht gesichert.
Mehr dazu: Schwangerschaft und Stillzeit: Bänder, Bauchwand und Knochen
Relaxin
Ein Hormon, das in der Schwangerschaft ansteigt und Bindegewebe nachgiebiger macht, damit Beckenbänder und Schambeinfuge für die Geburt nachgeben können. Beim Menschen ist der Spiegel gegen Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels am höchsten. Ein einfacher Zusammenhang zwischen Relaxin und Beckengürtelschmerz oder einer allgemeinen Bänderlockerung ist nicht belegt.
Mehr dazu: Schwangerschaft und Stillzeit: Bänder, Bauchwand und Knochen
Revisionsfreiheit und Wechseloperation
Registerzahlen zu künstlichen Gelenken geben meist an, welcher Anteil der Prothesen nach einer bestimmten Zeit noch nicht gewechselt werden musste. Für Hüftprothesen ergibt sich aus den Registern Australiens und Finnlands, dass rund 58 Prozent 25 Jahre ohne Wechseloperation überstehen. Wichtig ist, was diese Zahl meint: Sie beschreibt allein, dass nicht gewechselt wurde, nicht dass die Betroffenen beschwerdefrei waren. Für jüngere Patientinnen und Patienten heißt das, dass ein Wechsel im Lauf des Lebens einkalkuliert werden sollte.
Mehr dazu: Hüft-Arthrose
Rhizarthrose (Daumensattelgelenk)
Der Verschleiß des Daumensattelgelenks, das an der Handwurzel unterhalb des Daumens liegt und das am häufigsten betroffene Einzelgelenk der Hand ist. Typisch sind Schmerz und Kraftverlust beim Zugreifen: beim Öffnen eines Schraubdeckels, beim Drehen des Schlüssels, beim Halten einer vollen Pfanne. Röntgenzeichen nehmen mit dem Lebensalter deutlich zu und sind für sich genommen noch kein Beschwerdebild.
Mehr dazu: Handarthrose und Daumensattelgelenk
Rotatorenmanschette
Gruppe aus vier Muskeln mit ihren Sehnen, die den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne zentrieren und das Heben und Drehen des Arms führen. Ihre Sehnen sind der häufigste Ausgangspunkt von Schulterschmerz. Bemerkenswert ist die Entkopplung von Bild und Beschwerde: Sehnenrisse der Rotatorenmanschette finden sich bei über 60-Jährigen auch ohne jede Beschwerde bei mehr als der Hälfte der Untersuchten.
Mehr dazu: Schulterschmerz und Rotatorenmanschette
Sarkopenie
Der altersbedingte Verlust an Muskelkraft und Muskelmasse. Entscheidend ist dabei die Kraft, nicht die Masse: Sie nimmt etwa dreimal so schnell ab, und wer Muskelmasse aufbaut, behält deswegen nicht automatisch seine Kraft. Die europäische Fachdefinition führt deshalb seit 2019 die geringe Muskelkraft als Hauptkriterium. Bei chronischen Schmerzen läuft der Prozess oft schneller ab, weil Schonung ihn beschleunigt (siehe Dekonditionierung ). Er ist in jedem Lebensalter durch Training umkehrbar.
Mehr dazu: Was Training im Alter bringt
Schmerzgedächtnis
Ein Sammelbegriff für die veränderte Reaktionsbereitschaft des Nervensystems nach längeren oder wiederkehrenden Schmerzepisoden. Das Schmerzgedächtnis ist keine bewusste Erinnerung, sondern eine biologische Anpassung: Reize werden empfindlicher verarbeitet, Schmerz wird leichter ausgelöst. Diese Veränderung kann auch dann bestehen bleiben, wenn der ursprüngliche Auslöser längst abgeklungen ist. Der Begriff ist geläufig, greift aber zu kurz und klingt endgültiger, als die Sache ist (siehe Sensibilisierung ).
Mehr dazu: Schmerzgedächtnis: was der Begriff meint und was nicht
Schmerzverarbeitung
An jedem Schmerz ist das Nervensystem beteiligt. Reize aus dem Körper werden aufgenommen, im Rückenmark verrechnet und in verteilten Netzwerken des Gehirns verarbeitet. Diese Verarbeitung wird von Erfahrungen, Erwartungen, Aufmerksamkeit, Stress und Kontext beeinflusst. Bei chronischen Schmerzen ist sie häufig verändert: Das System reagiert sensibler und schneller, auch ohne akute Gefahr. Ein Gegensatz zum Gewebe besteht dabei nicht, Signale aus geschädigtem oder gereiztem Gewebe können wesentlich beitragen.
Mehr dazu: Schmerzmodelle
Schnellkraft
Die Fähigkeit, Kraft schnell aufzubringen, im Unterschied zur Maximalkraft, die nur angibt, wie viel Kraft überhaupt möglich ist. Für den Alltag im Alter ist die Schnellkraft die wichtigere Größe: Ob jemand einen Stolperer abfängt oder zügig aus dem Sessel hochkommt, entscheidet sich in Sekundenbruchteilen. Sie lässt früher und deutlicher nach als die Maximalkraft und wird im Training gefördert, indem ein Teil der Wiederholungen zügig ausgeführt wird.
Mehr dazu: Was Training im Alter bringt
Schultereckgelenk (AC-Gelenk)
Das kleine Gelenk oben auf der Schulter, dort wo das äußere Ende des Schlüsselbeins auf das Schulterdach trifft; fachsprachlich AC-Gelenk. Ein Verschleiß dort meldet sich mit einem punktförmigen Schmerz, den Betroffene mit einem Finger zeigen können, und nimmt zu, wenn der Arm quer vor dem Körper zur Gegenschulter geführt wird. Verschleißzeichen im Bild sind auch ohne Beschwerden verbreitet, weshalb ein Zufallsbefund für sich genommen kein Behandlungsgrund ist.
Mehr dazu: Schulterarthrose
Evidenz
Die Gesamtheit dessen, was sich über die Wirkung einer Behandlung belegen lässt. Eine gute Evidenzlage bedeutet, dass eine Maßnahme in aussagekräftigen Studien geprüft wurde. Eine dünne Evidenzlage bedeutet nicht, dass etwas unwirksam ist. Sie bedeutet oft nur, dass sich die Maßnahme schlecht in eine Studie fassen lässt oder dass niemand die Studie bezahlt hat. Aus einer Lücke folgt Unsicherheit, nicht Beliebigkeit.
Mehr dazu: Was wir wissen und was nicht
Placeboeffekt
Eine Besserung, die nicht auf den eigentlichen Wirkstoff oder Eingriff zurückgeht, sondern auf Erwartung, Zuwendung und den Umstand der Behandlung selbst. Der Effekt ist real und für den Betroffenen spürbar. Für die Beurteilung einer Behandlung ist er trotzdem ein Problem, weil er sich nur durch den Vergleich mit einer Scheinbehandlung von der eigentlichen Wirkung trennen lässt.
Mehr dazu: Was wir wissen und was nicht
Selbstwirksamkeit
Der erlebte Einfluss auf den eigenen Umgang mit Beschwerden. Bei chronischen Schmerzen bedeutet Selbstwirksamkeit nicht, den Schmerz kontrollieren oder beseitigen zu können. Gemeint ist der Einfluss auf Tempo, Struktur, Erwartungen und Reaktionen. Realistische Selbstwirksamkeit schließt ausdrücklich ein, dass nicht alles beeinflussbar ist.
Mehr dazu: Psyche und Soziales
Schmerzschwankungen
Tagesweise und über Wochen hinweg wechselnde Schmerzintensität bei chronischen Schmerzen. Sie sind die Regel, nicht die Ausnahme, und werden vor allem durch Schlaf, Belastungsmuster und Stress moduliert. Mehr Schmerz an einem Tag bedeutet bei chronischem Verlauf nicht automatisch mehr Schaden, sondern eine vorübergehend höhere Empfindlichkeit. Hilfreich ist die Trennung zwischen üblichen Schwankungen (innerhalb der gewohnten Bandbreite) und Flare-Ups (deutlich außerhalb der Bandbreite, mit eigenständigem Behandlungsbedarf).
Mehr dazu: Schmerzschwankungen verstehen
Schmerzumbewertung
Ein psychologisches Vorgehen bei chronischem Schmerz ohne erklärenden Gewebeschaden. Es verändert nicht das Gewebe und trainiert nicht das Aushalten, sondern die Einordnung der Empfindung: Der Schmerz wird als reversibles Alarmsignal eines empfindlich gewordenen Nervensystems verstanden und nicht als Anzeige eines Schadens. Kern ist eine Übung, in der die Empfindung beobachtet und dabei als ungefährlich eingeordnet wird. Anders als bei den etablierten Verfahren ist das Ziel nicht Bewältigung, sondern eine Verringerung des Schmerzes selbst. Die Datenlage ist vielversprechend und noch schmal.
Mehr dazu: Schmerz neu einordnen
Scheinakupunktur (Sham-Akupunktur)
Eine Kontrollbehandlung in Akupunkturstudien: Nadeln an Stellen, die nicht als Akupunkturpunkte gelten, oder nur oberflächlich gesetzt, ohne dass die Behandelten den Unterschied erkennen. Der Vergleich mit ihr ist die einzige Möglichkeit, die Wirkung der Nadelposition von der Wirkung des Behandlungsformats zu trennen. In den großen Studien lieferte die Scheinakupunktur rund zwei Drittel des Gesamteffekts.
Mehr dazu: Akupunktur bei chronischen Schmerzen
Sensibilisierung
Der biologische Vorgang, durch den das Nervensystem auf wiederholte oder anhaltende Reize empfindlicher reagiert. Eine zentrale Sensibilisierung bedeutet: Reize, die ein gesundes System unauffällig einordnet, werden als Schmerz erlebt. Sensibilisierung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine nachvollziehbare Schutzreaktion, die sich bei chronischen Schmerzen verselbständigen kann.
Mehr dazu: Zentrale Sensibilisierung
STarT-Back-Fragebogen
Ein kurzer Fragebogen mit neun Fragen, der bei Rückenschmerzen das Risiko für einen anhaltenden Verlauf einschätzt. Das Ergebnis teilt in niedriges, mittleres und hohes Risiko und hilft, die Intensität der Behandlung passend zu wählen. Für den deutschsprachigen Raum liegt eine geprüfte Fassung vor (STarT-G).
Mehr dazu: Unspezifischer Rückenschmerz
Schlittenprothese (Teilprothese)
Ein künstlicher Gelenkersatz, der nur einen Teil des Kniegelenks ersetzt, meist die Innenseite. Voraussetzung sind ein auf dieses Kompartiment begrenzter Befund und ein stabiler Bandapparat. Bei isoliert hochgradiger Innenseiten-Arthrose empfiehlt die deutsche Leitlinie die mediale Schlittenprothese. Auch für die Außenseite und den Bereich hinter der Kniescheibe gibt es Teillösungen, die aber seltener und zurückhaltender eingesetzt werden.
Mehr dazu: Knie-Arthrose
Synovialzyste
Eine flüssigkeitsgefüllte Aussackung der Gelenkkapsel, die von einem verschlissenen Gelenk ausgeht. An den Wirbelgelenken taucht sie gelegentlich im MRT-Befund auf und kann, je nach Lage und Größe, auf eine Nervenwurzel drücken und ausstrahlende Beschwerden verursachen. Sie ist damit eine der Ursachen, an die neben dem reinen Verschleiß zu denken ist.
Mehr dazu: Arthrose der kleinen Wirbelgelenke
Tendinopathie
Der Oberbegriff für eine schmerzhafte Sehne mit herabgesetzter Belastbarkeit. Der Begriff löst die ältere „Tendinitis" ab, weil nicht die Entzündung im Vordergrund steht, sondern ein Umbau des Sehnengewebes. Typisch ist die Entkopplung von Bild und Beschwerde: Der Ultraschall kann auffällig bleiben, während die Sehne unter dosiertem Training wieder trägt und der Schmerz nachlässt. Behandelt wird vor allem durch schrittweisen Belastungsaufbau, nicht durch Schonung.
Mehr dazu: Schulterschmerz und Rotatorenmanschette
TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation)
Ein frei verkäufliches Gerät, das über Klebeelektroden schwache Stromimpulse abgibt, die als Kribbeln spürbar sind und auf die Schmerzwahrnehmung zielen. Belegt ist eine Schmerzsenkung während und unmittelbar nach der Anwendung; eine Wirkung darüber hinaus ist nicht nachgewiesen. Entscheidend für den Effekt ist eine deutlich spürbare, im Verlauf nachgeregelte Intensität. Nicht zu verwechseln mit der elektrischen Muskelstimulation (EMS), die Muskelkontraktionen auslöst und auf Kraft zielt.
Mehr dazu: TENS-Gerät richtig anwenden
Trigeminusneuralgie
Ein neuropathischer Gesichtsschmerz, der blitzartig, einseitig und nur Sekunden andauernd einschießt, oft ausgelöst durch alltägliche Reize wie Berührung, Kauen oder Sprechen. Der Trigeminusnerv versorgt das Gesicht mit Gefühl; bei der Trigeminusneuralgie setzt er harmlose Reize in heftige Schmerzimpulse um. Die Erkrankung wird häufig mit Zahnbeschwerden verwechselt, ist aber in den meisten Fällen gut behandelbar.
Mehr dazu: Trigeminusneuralgie
Triptan
Eine Gruppe speziell für die Migräne entwickelter Akutmedikamente. Triptane wirken gezielt an Serotonin-Rezeptoren und können eine Migräneattacke unterbrechen, wenn sie früh eingenommen werden. Bei bestimmten Herz- und Gefäßerkrankungen sind sie nicht geeignet.
Mehr dazu: Migräne
Übertragener Schmerz
Schmerz, der nicht dort empfunden wird, wo er entsteht. Bekannte Beispiele sind der Herzinfarkt, der sich im linken Arm oder im Kiefer meldet, das Gallenleiden, das in die rechte Schulter zieht, und der Bandscheibenvorfall, der im Bein wehtut statt im Rücken. Grund ist die gemeinsame Verschaltung von Haut- und Organnerven im Rückenmark. Praktische Folge: Der Ort des Schmerzes ist nicht zwingend der Ort, an dem behandelt werden muss.
Mehr dazu: Was ist Schmerz? Wofür ist er da?
Zweitmeinungsverfahren
Der gesetzliche Anspruch, vor bestimmten planbaren Operationen eine unabhängige zweite ärztliche Einschätzung einzuholen, auf Kosten der Krankenkasse. Der Gemeinsame Bundesausschuss legt fest, für welche Eingriffe das gilt. Aus dem Bereich der Arthrose stehen der Kniegelenkersatz (seit Januar 2021), der Hüftgelenkersatz, arthroskopische Eingriffe an der Schulter sowie Wirbelsäuleneingriffe einschließlich der Verödung der Gelenknerven auf der Liste. Wer den Eingriff vorschlägt, muss in der Regel mindestens zehn Tage vorher über dieses Recht aufklären. Die Zweitmeinung darf nicht bei der Ärztin oder dem Arzt eingeholt werden, die selbst operieren würden.
Bei Wirbelsäuleneingriffen gilt zusätzlich eine Regel, die kein anderer Eingriff trägt: Die Zweitmeinung muss ausdrücklich darauf eingehen, ob die nicht-invasiven Behandlungsmöglichkeiten im Wesentlichen ausgeschöpft sind.
Mehr dazu: Knie-Arthrose , Hüft-Arthrose , Arthrose der kleinen Wirbelgelenke
Yellow Flags
Psychosoziale Risikofaktoren, die das Risiko erhöhen, dass Schmerzen anhalten: etwa die Überzeugung, Bewegung schade dem Rücken, die Sorge vor einem ernsten Schaden, gedrückte Stimmung oder anhaltender Stress. Anders als Red Flags (Warnzeichen für gefährliche Ursachen) zeigen sie keine Gefahr an, sondern ein erhöhtes Chronifizierungsrisiko. Yellow Flags sind veränderbar und damit ein wichtiger Ansatzpunkt für die Behandlung.
Mehr dazu: Unspezifischer Rückenschmerz