Kohlwickel bei Kniearthrose: was die Studie zeigt

Unter den klassischen Hausmitteln ist der Kohlwickel eine Besonderheit: Er ist das einzige, das bei Kniearthrose in einer randomisierten Studie untersucht wurde. Das macht ihn nicht zum Medikament, aber es erlaubt eine ehrlichere Auskunft als bei den meisten Wickeln. Diese Seite zeigt, was die Studie gefunden hat, wie die Anwendung geht und wo die Grenzen liegen.

Was die Studie gefunden hat

An der Essener Untersuchung nahmen 81 Menschen mit Kniearthrose im Stadium zwei bis drei teil. Vier Wochen lang legte eine Gruppe täglich Kohlblätter auf das Knie, eine zweite benutzte ein Diclofenac-Schmerzgel, eine dritte änderte nichts an ihrer bisherigen Behandlung.

Nach vier Wochen hatte die Kohlgruppe weniger Schmerzen als die Gruppe ohne Änderung. Der Unterschied betrug etwa 12 von 100 Punkten auf der Schmerzskala. Gegenüber dem Schmerzgel zeigte sich kein Unterschied. Auch Beweglichkeit und Lebensqualität besserten sich unter dem Kohlwickel.

Drei Dinge gehören zur ehrlichen Einordnung dazu:

  • Die Forscher hatten vorab festgelegt, ab welchem Unterschied eine Besserung für Patienten spürbar relevant ist: 20 Punkte. Erreicht wurden im Schnitt 12. Einzelne profitierten deutlich, die Gruppe als Ganzes blieb unter dieser Schwelle.
  • Dass sich Kohlwickel und Schmerzgel nicht unterschieden, heißt nicht, dass beide gleich gut wirken. Die Studie war für diesen Vergleich zu klein, um einen Unterschied verlässlich zu finden.
  • Alle Teilnehmer wussten, was sie anwendeten, und die Erwartung an den Kohlwickel war messbar höher als die an das Gel. Ein Teil der Wirkung geht auf diese Erwartung zurück.

Nach zwölf Wochen war der Schmerzunterschied nicht mehr nachweisbar. Eine zweite, kleinere Studie aus Thailand verglich Kohlblätter mit einem Kühlpad und mit Diclofenac-Gel und fand unter Kohl wie unter dem Kühlpad eine Besserung. Das stützt die naheliegende Vermutung, dass der kühlende Anteil das Wesentliche ist.

So geht die Anwendung

Die Studie hat ein einfaches Vorgehen verwendet, das sich zu Hause gut nachmachen lässt:

  1. Blätter vorbereiten: Ein bis zwei rohe Blätter von Weiß- oder Wirsingkohl abnehmen und den harten Mittelstiel herausschneiden.
  2. Walzen: Die Blätter auf ein Brett legen und mit einer Flasche oder einem Nudelholz walzen, bis der Saft austritt.
  3. Auflegen: Die Blätter dachziegelartig um das Knie legen und mit einer Binde oder einem Tuch locker fixieren.
  4. Dauer: Mindestens zwei Stunden täglich. In der Studie wurde empfohlen, den Wickel über Nacht zu belassen.
  5. Danach: Das Knie mit warmem Wasser abwaschen.

Wann Sie darauf verzichten sollten

Wenn während der Anwendung Juckreiz, Brennen oder eine Schwellung auftritt, nehmen Sie den Wickel ab und wenden ihn nicht erneut an; das kann eine Kontaktreaktion auf Kohlgewächse sein. In der Studie brach eine Teilnehmerin aus diesem Grund ab. Auf offene oder entzündete Haut gehört kein Wickel. Und ein Gelenk, das über Tage zunehmend anschwillt, stark überwärmt oder gerötet ist oder von Fieber begleitet wird, gehört ärztlich abgeklärt.

Kohlwickel oder Quarkwickel?

Beide sind feuchte Auflagen, beide kühlen, beide sind risikoarm. Der Unterschied liegt in der Datenlage und in der Anwendung. Für den Kohlwickel gibt es die beschriebene Studie und ein Anwendungsschema über vier Wochen mit mehrstündiger Tragedauer. Der Quarkwickel ist nicht untersucht, dafür schneller angelegt und für die kurze, deutliche Kühlung bei einem gereizten Gelenk die praktischere Wahl. Wenn Sie ausprobieren möchten, ist die Reihenfolge zweitrangig; entscheidend ist, ob Sie eine Erleichterung spüren.

Was für beide gilt: Sie sind eine Begleitmaßnahme. Die dauerhafte Verbesserung bei Arthrose kommt aus regelmäßiger, angepasster Bewegung und einem tragfähigen Gesamtplan. Wie dieser Plan aussieht, steht unter Arthrose im Knie ; die Studie zum Kohlwickel wurde genau an dieser Gruppe durchgeführt. Für andere Gelenke gibt es keine Wickel-Studien, die Übersicht dazu steht unter Arthrose .

Zusammenfassung

Kohlwickel sind bei Kniearthrose besser als nichts zu tun, und sie sind sicher und günstig. Der gemessene Effekt liegt unterhalb der Schwelle, ab der ein Unterschied für Patienten deutlich spürbar ist, und ein Teil davon geht auf die Erwartung zurück. Dass sich Kohlwickel und Schmerzgel in der Studie nicht unterschieden, ist kein Beleg für Gleichwertigkeit. Als ergänzendes, selbst anwendbares Mittel neben Bewegung sind sie einen Versuch über vier Wochen wert; bei Juckreiz oder Brennen wird abgesetzt.

Weiterführende Quellen

Zurück zur Übersicht: Komplementäre Verfahren .

Hinweis: Diese Seite dient der medizinischen Orientierung und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnostik oder Behandlung. Kohlwickel sind eine risikoarme Selbstanwendung zur Linderung. Sie ersetzen weder eine Diagnose noch die aktive Behandlung der Ursache.