Dosierte Wiederholbarkeit als Logik
Pacing bedeutet, Aktivität nicht nach Tagesform zu dosieren, sondern nach einem stabilen Niveau, das auch an schlechten Tagen machbar bleibt. Das ist gegen die Intuition. An guten Tagen wäre mehr möglich, an schlechten gar nichts. Genau dieses Muster führt aber zu starken Schwankungen, häufigen Rückschlägen und dem Gefühl, keine Kontrolle zu haben. In der Schmerzmedizin wird dieses Muster Boom-and-Bust genannt.
Pacing kehrt diese Logik um: niedrig starten, regelmäßig bleiben, schrittweise steigern. Ein konkretes Beispiel: Wer im Schnitt einiger Tage etwa zehn Minuten gehen kann, ohne dass es am nächsten Tag nachwirkt, beginnt mit etwa acht Minuten, an mehreren Tagen pro Woche. Der kleine Abstand nach unten soll dafür sorgen, dass das Maß auch an schlechteren Tagen gelingt. Läuft es zwei bis drei Wochen stabil, wird um eine Kleinigkeit gesteigert, etwa um eine halbe bis eine Minute. Diese Zahlen sind eine verbreitete Faustregel, keine Vorschrift.
Das wirkt unspektakulär, und das ist seine Qualität. Wirksam ist nicht die maximale Belastung, sondern die wiederholbare.
Und wenn es doch zu viel war: Nach einem Tag, an dem Sie über das Maß hinausgegangen sind, geht es am nächsten nicht bei null weiter, sondern beim üblichen Maß. Wirkt der Tag noch deutlich nach, ist das ein Rückschlag: Dann setzen Sie aus, bis es wieder geht, und fangen mit der letzten Stufe an, die Sie gut vertragen haben, auch wenn sie unter dem bisherigen Maß liegt. Neue oder veränderte Beschwerden lassen Sie ärztlich abklären, siehe Warnzeichen .
Hinweis: Diese Seite dient der medizinischen Orientierung und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnostik oder Behandlung.