Migräne ist mehr als ein starker Kopfschmerz. Sie ist eine eigenständige neurologische Erkrankung mit wiederkehrenden Attacken, die oft von Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet werden und den Alltag erheblich einschränken können. Diese Seite ordnet ein, woran Sie eine Migräne erkennen, wie sie von anderen Kopfschmerzen abgegrenzt wird und welche Behandlung in der Attacke und zur Vorbeugung sinnvoll ist.
Was Migräne kennzeichnet
Eine Migräneattacke läuft oft in Phasen ab. Manche Menschen spüren Stunden vorher Vorboten wie Müdigkeit, Heißhunger oder Reizbarkeit. Bei einem Teil der Betroffenen folgt eine Aura mit vorübergehenden Sehstörungen oder einem Kribbeln, die sich über Minuten entwickelt und wieder zurückbildet. Dann setzt der eigentliche Kopfschmerz ein, häufig einseitig und pulsierend, begleitet von Übelkeit und Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen.
Man unterscheidet Migräne ohne Aura, die häufigste Form, und Migräne mit Aura. Frauen sind etwa dreimal häufiger betroffen als Männer, und die Erkrankung beginnt meist im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter. Migräne tritt familiär gehäuft auf.
Episodisch oder chronisch
Für die Behandlung ist eine Unterscheidung wichtig: Bei der episodischen Migräne treten die Kopfschmerzen an weniger als 15 Tagen im Monat auf. Von einer chronischen Migräne spricht man, wenn über mehr als drei Monate an mindestens 15 Tagen pro Monat Kopfschmerzen bestehen, davon an mindestens acht mit Migränecharakter. Die chronische Migräne ist häufig mit einem Übergebrauch von Akutmedikamenten verbunden und wird teilweise anders behandelt als die episodische Form.
Wie die Diagnose gestellt wird
Die Diagnose stellt sich vor allem aus dem Gespräch: aus dem Muster der Attacken, dem Schmerzcharakter, den Begleitsymptomen und möglichen Auslösern. Einen Test, der eine Migräne beweist, gibt es nicht. Eine Bildgebung ist bei typischem Verlauf und unauffälliger Untersuchung nicht erforderlich; sie ist Warnzeichen vorbehalten.
Ein Kopfschmerztagebuch über zwei bis vier Wochen ist das nützlichste Werkzeug. Es hält Häufigkeit, Dauer, Stärke, Begleitsymptome und die Tage mit Medikamenteneinnahme fest. Das deckt Muster auf, die im Alltag untergehen, und ist die Grundlage für die Entscheidung über eine Vorbeugung.
Die akute Attacke behandeln
Akutmedikamente wirken am besten, wenn sie früh und ausreichend hoch eingenommen werden. Bei leichten bis mittelstarken Attacken sind klassische Schmerzmittel die erste Wahl, vor allem Ibuprofen, Naproxen, Acetylsalicylsäure oder Diclofenac. Bei Übelkeit kann ein Mittel gegen Übelkeit ergänzt werden, das zugleich die Aufnahme des Schmerzmittels verbessert.
Bei mittelschweren bis schweren Attacken oder wenn klassische Schmerzmittel nicht ausreichen, kommen Triptane zum Einsatz, speziell für die Migräne entwickelte Medikamente. Sie lassen sich bei Bedarf mit einem klassischen Schmerzmittel kombinieren. Triptane sind bei bestimmten Herz- und Gefäßerkrankungen nicht geeignet. Für diese Fälle oder wenn Triptane nicht wirken, stehen neuere Substanzen zur Verfügung, die ohne Gefäßverengung wirken.
Entscheidend ist die Häufigkeit: Akutmedikamente sollten an höchstens zehn Tagen im Monat eingenommen werden (einfache Schmerzmittel an höchstens 15), um keinen dauerhaften Kopfschmerz durch Übergebrauch auszulösen.
Vorbeugen
Eine vorbeugende Behandlung ist sinnvoll, wenn die Migräne häufig auftritt, die Attacken stark belasten oder die Akutbehandlung nicht ausreicht. Realistisches Ziel ist, Häufigkeit und Schwere etwa zu halbieren. Vorbeugende Medikamente werden niedrig begonnen und langsam gesteigert; ob sie wirken, zeigt sich erst nach etwa zwei bis drei Monaten.
Bewährte vorbeugende Medikamente sind bestimmte Betablocker, der Wirkstoff Flunarizin, die Antiepileptika Topiramat und Amitriptylin, das auch bei begleitenden Schlafstörungen oder gedrückter Stimmung hilft. Reichen diese nicht aus oder werden sie nicht vertragen, stehen die gezielt entwickelten CGRP-Antikörper und Gepante zur Verfügung. Bei chronischer Migräne kann zusätzlich eine Behandlung mit Botulinumtoxin in Betracht kommen.
Was Sie selbst tun können
Vorbeugung ist nicht allein eine Frage der Medikamente. Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, feste Mahlzeiten, ausreichend Flüssigkeit und eine gleichmäßige statt schwankende Koffeinmenge stabilisieren viele Verläufe. Regelmäßiger Ausdauersport kann die Häufigkeit der Attacken senken, wobei Regelmäßigkeit wichtiger ist als Intensität.
Unter den nicht-medikamentösen Verfahren sind Entspannungsverfahren, Biofeedback und kognitive Verhaltenstherapie am besten untersucht und können die Attackenfrequenz vorbeugend verringern. Akupunktur kann ebenfalls helfen und ist eine Option, wenn Sie eine medikamentenarme Strategie bevorzugen. Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium oder Vitamin B2 haben kleinere, weniger sichere Effekte und können ergänzend versucht werden.
Ein Kopfschmerztagebuch hilft, persönliche Auslöser zu erkennen. Eine pauschale Diät ist dagegen selten hilfreich. Sinnvoller ist es, einzelne, immer wiederkehrende Auslöser gezielt zu identifizieren.
Kopfschmerz durch zu viele Schmerzmittel
Werden Akut- oder Migränemittel über längere Zeit zu häufig eingenommen, können die Kopfschmerzen dadurch häufiger werden und in einen fast täglichen Dauerkopfschmerz übergehen. Der wichtigste Schritt ist dann, die Akutmedikation unter ärztlicher Begleitung zu reduzieren, oft begleitet vom Beginn einer Vorbeugung. Nach einer vorübergehenden Verschlechterung über ein bis zwei Wochen bessert sich die Situation meist deutlich.
Was in der Sprechstunde wichtig ist
Eine gute Vorbereitung erleichtert die Einordnung. Hilfreich sind Angaben dazu, wie häufig und wie lange die Attacken auftreten, wie der Schmerz sich anfühlt, welche Begleitsymptome bestehen, welche Auslöser Sie vermuten und welche Medikamente Sie an wie vielen Tagen einnehmen. Ein Kopfschmerztagebuch über einige Wochen ist dafür die beste Grundlage.
Zusammenfassung
Migräne ist eine eigenständige Erkrankung mit wiederkehrenden, meist einseitigen Attacken und typischen Begleitsymptomen. Die Diagnose wird im Gespräch gestellt, ein Kopfschmerztagebuch ist dabei zentral. In der Attacke helfen klassische Schmerzmittel und bei Bedarf Triptane, früh und ausreichend eingenommen und nicht zu häufig. Bei häufigen Attacken stehen wirksame vorbeugende Medikamente und nicht-medikamentöse Verfahren zur Verfügung. Der häufigste Grund für eine scheinbar nicht wirksame Behandlung ist ein unbemerkter Medikamentenübergebrauch.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob es Migräne ist und nicht ein Spannungskopfschmerz?
Was ist eine Aura?
Ab wann ist eine Vorbeugung sinnvoll?
Warum sollen Schmerzmittel an höchstens zehn Tagen im Monat eingenommen werden?
Helfen die neuen CGRP-Medikamente besser?
Was kann ich selbst tun, um Attacken vorzubeugen?
Muss bei Migräne ein MRT gemacht werden?
Weiterführende Quellen
Deutschsprachige Leitlinien
- AWMF-S1-Leitlinie Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne (030-057) : Leitlinie von DGN und DMKG zur Akut- und Vorbeugebehandlung.
- AWMF-S1-Leitlinie Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerz- und Migränemitteln (030-131) : deutsche Leitlinie zum medikamenten-induzierten Kopfschmerz.
Internationale Leitlinien
- NICE-Leitlinie CG150 (Headaches in over 12s) : britische Leitlinie zu Diagnose und Behandlung der häufigen Kopfschmerzformen.
Systematische Übersichten
- Cochrane: Akupunktur zur Vorbeugung von Migräneattacken : Zusammenfassung zur Wirksamkeit der Akupunktur in der Migräne-Prophylaxe.
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