Muskelkrämpfe bei Nervenwurzel-Reizung und nach einer PRT-Spritze

Viele Menschen mit einem Bandscheibenvorfall oder einer Verengung im Wirbelkanal bemerken zusätzlich zum Schmerz Muskelkrämpfe im betroffenen Bein. Häufig fallen diese Krämpfe erst auf, wenn der akute Schmerz schon nachlässt. Das ist meist ein gutes Zeichen und kein Grund zur Sorge.

Warum eine gereizte Nervenwurzel Krämpfe auslösen kann

Eine Nervenwurzel ist die Stelle, an der ein Nerv aus dem Rückenmark austritt. Wird sie durch einen Bandscheibenvorfall oder eine Verengung gereizt, sendet sie nicht nur Schmerzsignale. Sie kann auch die Muskeln, die sie steuert, überempfindlich machen.

Ein Muskelkrampf entsteht, wenn ein Muskel unwillkürlich und schmerzhaft verkrampft. Die Auslösung sitzt nicht im Muskel selbst, sondern in den steuernden Nervenfasern. Sind diese Fasern durch die Wurzelreizung übererregbar, entladen sie sich leichter, und der Muskel krampft. Am häufigsten trifft es die Wade, meist nachts.

Wichtig zur Einordnung: Der Krampf tut heftig weh, richtet aber keinen Schaden an. Er ist ein Zeichen für eine veränderte Steuerung des Muskels, nicht für einen kaputten Muskel.

Warum die Krämpfe oft erst kommen, wenn der Schmerz nachlässt

Diese Beobachtung machen viele Betroffene, und sie hat einen nachvollziehbaren Hintergrund. Sichere Studien zum genauen Zeitpunkt fehlen, aber drei Erklärungen wirken zusammen.

Zum einen erholt sich der Nerv nach der akuten Phase und baut sich um. In dieser Erholungsphase sind die nachwachsenden Nervenfasern besonders leicht erregbar. Gerade dann treten Krämpfe vermehrt auf, während der starke Anfangsschmerz schon zurückgeht.

Zum anderen überdeckt der laute akute Schmerz kleinere Signale. Solange der Nervenschmerz im Vordergrund steht, nehmen Sie den Krampf kaum wahr. Lässt der Schmerz nach, wird der Krampf spürbar.

Und schließlich bewegen Sie das Bein in der akuten Phase kaum. Kehrt die Beweglichkeit zurück, kommen auch die typischen Auslöser für nächtliche Wadenkrämpfe wieder ins Spiel.

Für die Praxis heißt das: Krämpfe in dieser Phase sprechen eher dafür, dass die akute Reizung abklingt und der Nerv sich erholt. Sie sind in der Regel kein Zeichen einer Verschlechterung.

Kommen die Krämpfe von der PRT-Spritze?

Nein. Die periradikuläre Therapie, kurz PRT, ist eine gezielte Spritze an die gereizte Nervenwurzel. Sie verursacht keine Muskelkrämpfe. In den Untersuchungen zu Nutzen und Risiken dieser Spritze tauchen Krämpfe nicht als typische Nebenwirkung auf.

Der Grund für die häufige Frage ist zeitlich. Die PRT wird meist in der schmerzintensiven Phase gesetzt. Wirkt sie, lässt der akute Schmerz nach, und genau in der folgenden Erholungsphase werden die Krämpfe spürbar. Es liegt nahe, das Neue mit dem letzten Ereignis zu verbinden. Der Zusammenhang ist aber zeitlicher Zufall, keine Ursache.

Bekannt und normal nach einer PRT sind andere Dinge: eine vorübergehende Schmerzverstärkung in den ersten ein bis zwei Tagen und eine kurze Phase, in der der ursprüngliche Schmerz zurückkehrt, bevor das Kortison wirkt. Mehr dazu auf der Seite zur Periradikulären Therapie .

Was hilft

Am wichtigsten ist die Behandlung der Ursache, also der Nervenwurzel-Reizung. Aktive Bewegung, Physiotherapie und ein strukturierter Wiedereinstieg ins Training tragen den Verlauf. Bessert sich die Reizung, lassen in der Regel auch die Krämpfe nach.

Gegen den akuten Krampf hilft Dehnen am schnellsten. Ziehen Sie im Wadenkrampf die Fußspitze bei gestrecktem Knie kräftig in Richtung Körper. Das beendet den Krampf in aller Regel rasch und ist risikoarm.

Vorbeugend spricht einiges für regelmäßiges Dehnen der Wade vor dem Schlafengehen. In einer Studie an Erwachsenen über 55 Jahren traten nach sechs Wochen täglichen Dehnens rund 1,2 Krämpfe pro Nacht weniger auf als in der Vergleichsgruppe ohne Dehnen, und die Krämpfe waren weniger schmerzhaft. Die Gesamtevidenz dazu gilt als begrenzt sicher. Realistisch ist deshalb: seltener und schwächer, nicht krampffrei.

Das Abendprogramm aus der Studie

Drei Übungen, unmittelbar vor dem Zubettgehen, täglich. Die Studie hat genau dieses Vorgehen untersucht.

Für die Wade im Stand stellen Sie sich mit dem Gesicht zur Wand und legen beide Handflächen in Brusthöhe an. Ein Bein steht vorn mit gebeugtem Knie, das andere hinten mit gestrecktem Knie, beide Füße bleiben ganz am Boden. Beugen Sie nun das vordere Knie weiter, bis der Zug in der hinteren Wade spürbar wird. Der Rumpf bleibt gerade, die Fersen bleiben am Boden.

Für die Oberschenkelrückseite stellen Sie sich vor einen Stuhl, der an der Wand steht, und legen eine Ferse auf die Sitzfläche, dieses Knie ganz gestreckt. Neigen Sie sich aus der Hüfte nach vorn, Rumpf gerade.

Wenn Ihnen das Stehen schwerfällt, geht beides im Sitzen: beide Beine gestreckt, die Zehen mit beiden Händen greifen, aus der Hüfte nach vorn neigen und die Fußspitzen zum Körper ziehen.

Gehen Sie bei jeder Übung bis zu einem deutlichen, gut auszuhaltenden Zug, nicht bis zum Schmerz. Halten Sie zehn Sekunden, gehen Sie zurück und wiederholen Sie das dreimal, mit zehn Sekunden Pause dazwischen. Beide Beine zusammen brauchen so weniger als drei Minuten. Atmen Sie dabei ruhig weiter und halten Sie die Luft nicht an. Bewerten Sie nach sechs Wochen, ob sich etwas geändert hat; wenn nicht, können Sie es weglassen.

Magnesium ist bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll. Bei Krämpfen ohne Mangel ist die Studienlage uneinheitlich: Die zusammenfassenden Übersichtsarbeiten finden keinen verlässlichen Effekt, einzelne neuere Studien schon. Als risikoarmer Selbstversuch ist Magnesium vertretbar, eine sichere Wirkung sollten Sie nicht erwarten. Chinin ist die am besten belegte medikamentöse Option gegen Wadenkrämpfe, aber wegen seltener, ernster Nebenwirkungen seit 2015 verschreibungspflichtig und auf schwere, sonst therapierefraktäre Verläufe beschränkt, keine Option für den gelegentlichen Krampf. Einordnung und Dosierung: Nächtliche Wadenkrämpfe .

Wann Sie ärztlich abklären lassen sollten

Die meisten Krämpfe bei einer Nervenwurzel-Reizung sind harmlos. In einigen Situationen ist eine zeitnahe ärztliche Abklärung aber sinnvoll:

Zusammenfassung

Muskelkrämpfe im betroffenen Bein sind ein häufiges Begleitsymptom einer Nervenwurzel-Reizung und meist harmlos. Dass sie oft erst auftreten, wenn der akute Schmerz nachlässt, spricht für die Erholung des Nervs, nicht für eine Verschlechterung. Die PRT-Spritze verursacht die Krämpfe nicht; am meisten hilft die Behandlung der Ursache zusammen mit gezieltem Dehnen.

Vertiefung

Hinweis: Diese Seite dient der medizinischen Orientierung und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnostik oder Behandlung. Bei zunehmender Lähmung, Taubheit im Reitsitzbereich oder einer Blasen- und Mastdarmstörung ist eine sofortige ärztliche Abklärung wichtig.