Sehnenscheidenentzündungen einordnen und richtig behandeln

Aufgerollte Schiffstaue auf einem Holzdeck

Wenn die Sehne nicht das Problem ist, sondern ihre Hülle

Eine Sehnenscheidenentzündung (medizinisch Tendovaginitis oder Tenosynovitis) ist keine Tendinopathie. Sie betrifft nicht die Sehne selbst, sondern ihre umgebende Hülle, in der die Sehne gleitet. Diese anatomische Unterscheidung ist klinisch und therapeutisch wichtig: die Behandlungslogik folgt nicht den Prinzipien der Tendinopathie, und die dort kritisch zu sehende Kortikoid-Spritze ist hier bei den häufigsten Formen die belegte Erstlinie.

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Welche Form ist gemeint?

Stenosierend (Engpass-Sehnenscheidenentzündung)
Überlastungsform (Tendovaginitis crepitans)
  • Reibungs- und Knirschphänomen über dem Unterarm und Handgelenk nach ungewohnter Belastung. Selbstlimitierend, mit kurzfristiger Ruhigstellung und Belastungsmodifikation behandelt. Eine eigene Seite zu diesem Bild ist nicht vorgesehen.
Infektiöse Form (Notfall)
  • Eitrige Beugesehnenscheidenentzündung der Hand nach (oft banaler) Verletzung. Klinische Zeichen: spindelförmig geschwollener Finger in leichter Beugehaltung, Druckschmerz über dem gesamten Sehnenverlauf, starker Schmerz bei passiver Streckung. Handchirurgischer Notfall, keine konservative Verzögerung.
Rheumatisch-systemische Form
  • Sehnenscheidenentzündung als frühes Zeichen einer rheumatologischen Grunderkrankung, häufig an mehreren Sehnen gleichzeitig, mit Morgensteifigkeit, Schwellungen und systemischen Symptomen. Rheumatologische Abklärung erforderlich.

Was eine Sehnenscheidenentzündung ist

Manche Sehnen, die über Knochenkanten oder unter Bändern verlaufen, sind von einer dünnen, doppelblättrigen Hülle umgeben, der Sehnenscheide. Zwischen den beiden Blättern liegt ein Gleitfilm aus Gelenkschmiere, der ein nahezu reibungsfreies Gleiten der Sehne ermöglicht. Sehnenscheiden finden sich vor allem am Handgelenk und an den Fingern, außerdem an einigen Sehnen am Sprunggelenk und Fuß.

Bei einer Sehnenscheidenentzündung ist die Hülle gereizt, verdickt oder entzündet. Welche Form vorliegt, hat erhebliche Konsequenzen für die Behandlung:

Wie sich’s zeigt und wie diagnostiziert wird

Leitsymptom ist ein lokal umschriebener Schmerz an der betroffenen Sehne, häufig mit Schwellung und eingeschränkter Beweglichkeit der zugehörigen Bewegung. Bei den stenosierenden Formen kommt ein typisches mechanisches Symptom hinzu: ein schmerzhaftes Hängenbleiben oder Schnappen der Sehne im verengten Kanal. Die Diagnose ist überwiegend klinisch. Ultraschall kann eine Sehnenscheidenverdickung, einen Erguss oder eine Sehnenverdickung darstellen und ist für die gezielte Therapie hilfreich.

Wodurch sich die Behandlung von der Tendinopathie unterscheidet

Bei den meisten Tendinopathien sind Kortikoid-Spritzen in die Sehne kritisch zu sehen, weil sie die Sehne schwächen und das Langzeitergebnis verschlechtern können. Bei den stenosierenden Sehnenscheidenentzündungen ist die Situation anders: die Verdickung der Sehnenscheidenwand oder eines Ringbands ist das Problem, nicht der Sehnenkern. Eine gezielte Kortikoid-Spritze in den verengten Kanal, kombiniert mit kurzer Schienung, ist hier eine evidenzgestützte Erstlinie und führt in einem hohen Anteil der Fälle zum dauerhaften Erfolg. Diese Umkehrung der Therapielogik ist klinisch und für die Patientenkommunikation zentral.

Bei der Tendovaginitis crepitans sind Belastungsmodifikation und kurzfristige Ruhigstellung Erstlinie; eine Spritze ist meist nicht nötig.

Bei der infektiösen Form ist die rasche handchirurgische Vorstellung mit intravenöser Antibiose und in der Regel operativer Spülung Standard. Hier gilt kein konservativer Therapieversuch im Schmerzpraxis-Setting.

Bei der rheumatischen Form richtet sich die Behandlung gegen die Grunderkrankung; lokale Maßnahmen und gegebenenfalls eine operative Sehnenscheidenentfernung ergänzen sie.

Häufige Bilder mit eigener Seite

Tendovaginitis de Quervain . Die stenosierende Sehnenscheidenentzündung am radialen Handgelenk, betroffen sind Daumenstreck- und -abspreizsehne. Klassisch in Schwangerschaft, postpartal und bei repetitiver Daumen-Hand-Belastung („Hausfrauendaumen", „Mother’s thumb"). Die Seite erklärt den richtigen Provokationstest, das gestufte Vorgehen aus Spritze und Schiene und die operative Option bei refraktären Verläufen.

Schnellender Finger . Die Sehnenscheidenentzündung am Ringband A1 in Höhe des Fingergrundgelenks, mit dem typischen Schnappmechanismus und im Verlauf möglicher fixierter Beugeblockade. Besonders häufig bei Diabetes mellitus, mit eigenen Therapie-Konsequenzen. Die Seite erklärt das Stadienmodell und das gestufte Vorgehen aus Injektion und operativer Ringbandspaltung.

Wann ärztlich abklären

Querschnittsthemen

Weiterführende Quellen

Systematische Übersichten und Schlüsselstudien

Hinweis: Diese Seite dient der medizinischen Orientierung und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine eitrige Sehnenscheidenentzündung (spindelförmig geschwollener Finger nach Verletzung) bitte sofort handchirurgisch vorstellen.