Wenn der Ellenbogen beim Greifen schmerzt
Ein lokal umschriebener Schmerz am äußeren Ellenbogen, der bei jedem festen Griff aufflammt, beim Heben einer vollen Kaffeekanne oder beim Ausschütteln der Hand: das ist das typische Bild des Tennisellenbogens. Die spiegelbildliche Variante am inneren Ellenbogen ist der Golferellenbogen. Beide Bilder fasst man medizinisch unter dem Begriff Epikondylopathie zusammen.
Was dahintersteckt
Am Ellenbogen sitzen zwei knöcherne Höcker, der äußere Epikondylus radialis und der innere Epikondylus ulnaris. An ihnen entspringen die Strecksehnen (außen) beziehungsweise die Beugesehnen (innen) der Unterarmmuskulatur. Bei der Epikondylopathie ist das Sehnengewebe an diesen Ansätzen umgebaut und in seiner Belastbarkeit herabgesetzt, mit einem fehlgesteuerten Heilungsverlauf in der Sehne, nicht primär mit einer Entzündung.
Der Tennisellenbogen (laterale Epikondylopathie) betrifft den äußeren Ellenbogen und ist die deutlich häufigere Form. Den Namen verdankt er der Rückhand-Belastung beim Tennis, ist in der Versorgungsrealität aber meistens kein Tennisproblem, sondern eine Folge wiederholter Greif- und Drehbewegungen am Arbeitsplatz.
Der Golferellenbogen (mediale Epikondylopathie) betrifft den inneren Ellenbogen und ist seltener. Klinisch wichtig ist hier die enge Nachbarschaft zum Nervus ulnaris, der hinter dem inneren Ellenbogenhöcker durch eine knöcherne Rinne zieht. Bei medialer Epikondylopathie sollte gleichzeitig nach Reizungen dieses Nervs gesucht werden (Kribbeln im kleinen und Ringfinger).
Wer betroffen ist und was begünstigt
Die laterale Epikondylopathie betrifft im Verlauf des Lebens 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung, die mediale Form etwa 1 Prozent. Beide Bilder treten am häufigsten zwischen dem 35. und 55. Lebensjahr auf, Männer und Frauen ähnlich häufig.
Die namensgebenden Sportarten sind nur für eine Minderheit ursächlich. Weit überwiegend handelt es sich um arbeitsassoziierte Belastung: Handwerker, Monteure, Maler, Friseure, Pflege- und Verwaltungsberufe mit repetitiven Greif- und Drehbewegungen sind besonders betroffen. Auch lange Bildschirmarbeit mit einer ungünstigen Mauspositionierung kann auslösend sein.
Neben der Belastung gibt es Faktoren, die das Sehnengewebe empfindlicher machen: Diabetes, Übergewicht, erhöhte Blutfette, Rauchen und höheres Lebensalter. Weniger bekannt ist, dass auch Medikamente eine Rolle spielen können. Für eine Gruppe von Antibiotika, die Fluorchinolone (Wirkstoffe wie Ciprofloxacin oder Levofloxacin), ist ein erhöhtes Risiko für Sehnenbeschwerden und Sehnenrisse belegt; auch für Cholesterinsenker vom Statin-Typ und für länger eingenommenes Kortison wird ein Zusammenhang beschrieben. Das ist kein Grund, ein verordnetes Medikament eigenmächtig abzusetzen. Es ist aber ein guter Grund, beim Arztgespräch zu erwähnen, welche Medikamente Sie einnehmen, gerade wenn die Beschwerden zeitlich nach einer neuen Verordnung begonnen haben.
Eine wichtige Botschaft für den Verlauf: Die Prognose ist günstig. Die deutsche Leitlinie hält fest, dass bei mehr als 80 von 100 Menschen die Beschwerden unter konservativer Behandlung innerhalb eines Jahres zurückgehen, und dass der Verlauf insgesamt meist bis zu zwei Jahre dauern kann. Studien mit einem Jahr Nachbeobachtung bestätigen diese Größenordnung: In einer dänischen Untersuchung an 266 hausärztlich diagnostizierten Fällen berichteten nach zwölf Monaten 83 von 100 eine Besserung, in einer australischen Studie mit einer bewusst abwartend behandelten Gruppe waren es nach einem Jahr 90 von 100.
Zwei Dinge gehören zu dieser Zahl dazu, damit sie nicht enttäuscht. Sie beschreibt einen Rückgang der Beschwerden, nicht zwingend völlige Beschwerdefreiheit. Und sie gilt für Menschen, die konservativ behandelt werden, also mit Beratung, Belastungsanpassung und Übungen, nicht für reines Abwarten.
Der erste Punkt ist wichtiger, als er klingt. Eine dritte Untersuchung, an 181 niederländischen Hausarztpatienten, hat ihn in Zahlen gefasst, indem sie dieselben Menschen nach einem Jahr zweierlei fragte. Auf die Frage nach Besserung antworteten 90 von 100 mit ja. Auf die Frage, ob die Beschwerden sie noch stören, antworteten nur 34 von 100 mit nein. Das ist kein Widerspruch, sondern derselbe Verlauf, gemessen mit zwei verschiedenen Maßstäben: Den meisten geht es deutlich besser, ganz weg ist es nach einem Jahr bei etwa einem Drittel.
Diese zweite Zahl steht hier bewusst, obwohl sie die unangenehmere ist. Wer mit der Erwartung „in einem Jahr ist das weg" startet und nach einem Jahr noch Restbeschwerden hat, hält die Behandlung für gescheitert und greift dann oft zu Maßnahmen, die mehr schaden als nützen. Wer weiß, dass deutliche Besserung das realistische Ziel ist und Restbeschwerden dazugehören können, trifft die besseren Entscheidungen.
Ein Drittes kommt hinzu, das seltener gesagt wird: Diese Zahl ist ein Durchschnitt, und der Verlauf ist nicht bei allen gleich. In derselben dänischen Untersuchung hatten Menschen mit körperlich schwerer Arbeit und mit hoher Schmerzstärke zu Beginn deutlich schlechtere Aussichten als der Durchschnitt. In der niederländischen Untersuchung kamen zwei Dinge hinzu, die man bei einer Sehnenerkrankung nicht zuerst vermutet: Wer erst spät zum Arzt ging, und wer sich wegen der Beschwerden zurückzog statt aktiv zu bleiben, hatte den ungünstigeren Verlauf. Wer zu dieser Gruppe gehört, sollte die 80 Prozent nicht als Versprechen für sich selbst lesen. Das spricht nicht gegen die abwartende Strategie, wohl aber dafür, die Belastung am Arbeitsplatz früh und ernsthaft mitzubehandeln statt sie als Nebensache zu führen.
Diese Zeitskala zu kennen hilft, eine zurückhaltende Strategie nicht zu früh als „nicht wirksam" abzubrechen und vor allem nicht zu invasiven Verfahren zu greifen, die das Langzeitergebnis verschlechtern können.
Typische Symptome
Leitsymptom ist ein belastungsabhängiger, lokal begrenzter Schmerz über dem betroffenen Ellenbogenhöcker mit Druckschmerz direkt auf der Sehnenursprungsstelle. Typisch ist eine Schmerzverstärkung gegen Widerstand: beim Tennisellenbogen das Strecken des Handgelenks und der Finger gegen Druck, beim Golferellenbogen das Beugen und Pronieren. Charakteristisch ist auch der Schmerz beim festen Griff mit pronierter Hand, etwa beim Heben einer vollen Kaffeekanne am Stiel.
Die Diagnose ist klinisch. Ultraschall und MRT sind in den meisten Fällen nicht zwingend nötig und ändern die Erstlinientherapie selten. Sie werden gezielt eingesetzt bei unklaren Befunden, bei Verdacht auf Begleitpathologien (Nervus-radialis-Reizung am äußeren Unterarm, Nervus-ulnaris-Pathologie innen, Arthrose des Radiohumeralgelenks) und vor einer geplanten Operation.
Was die Behandlung trägt
Tragend sind Edukation, Belastungsanpassung und Zeit. Ein progressives Krafttraining für die Unterarmmuskulatur gehört dazu, und es ist sicher und sinnvoll. Aber es ist ehrlicherweise nicht der Wunderhebel, als der es oft dargestellt wird.
Zur Einordnung, weil hier viel Halbwahres kursiert: Am Ellenbogen ist die Studienlage für Krafttraining deutlich schwächer als an anderen Sehnen. Die vorhandenen Übersichtsarbeiten kommen zu dem Schluss, dass Übungsprogramme zwar besser abschneiden als rein passive Maßnahmen, dass die Effekte aber klein sind. Eine große Netzwerk-Analyse fand kurzfristig kein einziges Verfahren, das einer Scheinbehandlung überlegen war. Und eine große britische Studie an über 700 Patienten mit Schultersehnenproblemen zeigte, dass ein mehrwöchiges progressives Übungsprogramm nicht besser abschnitt als eine einzige gute Beratungssitzung.
Das entwertet das Üben nicht. Es ordnet es ein. Der eigentliche Hebel beim Tennisellenbogen ist, dass die Beschwerden bei den allermeisten Menschen im Lauf der Zeit deutlich zurückgehen, und dass man in dieser Zeit nichts tut, was schadet. Genau das ist der wichtigste Punkt: Der größte vermeidbare Schaden entsteht nicht durch zu wenig Training, sondern durch Kortison-Spritzen (siehe unten).
Krafttraining mit dosierter Last ist trotzdem die sinnvollste aktive Maßnahme, weil sie sicher ist, die Belastbarkeit erhöht und Sie handlungsfähig macht. Etablierte Programme arbeiten mit exzentrisch betonten Übungen, häufig mit einem flexiblen Gummi-Stab (Tyler-Twist mit dem FlexBar), oder mit isometrischen und schweren, langsamen Übungen. Die Programmwahl ist zweitrangig; entscheidend ist eine kontrollierte, gut tolerierte Belastung mit einem moderaten Schmerzempfinden, das innerhalb von 24 Stunden abklingt. Diese Programme gehören in physiotherapeutische Begleitung. Mehr Hintergrund unter Bewegung .
Ein Missverständnis, das Sie sich sparen können: Das Training „repariert" die Sehne nicht. Veränderte Sehnenareale bleiben oft im Ultraschall sichtbar, auch wenn die Beschwerden verschwunden sind. Was das Training tatsächlich erreicht, ist etwas anderes und Besseres: Es macht die Sehne insgesamt belastbarer, zusammen mit Kraft und Funktion, sodass sie wieder trägt. Als Erklärung wird angenommen, dass der unveränderte Teil der Sehne die Last übernimmt; das ist ein Modell, nicht bewiesen. Der praktische Punkt gilt unabhängig davon: Sie können beschwerdefrei werden, ohne dass das Bild jemals wieder „schön" aussieht. Und deshalb lohnt es sich nicht, auf ein Verfahren zu warten, das die Struktur heilen soll.
Belastungsanpassung am Arbeitsplatz und im Alltag ist gleichrangig. Repetitive Greif- und Drehbelastungen werden temporär reduziert, Werkzeuge und Mauspositionierung überprüft, Pausen häufiger und kürzer eingelegt. Komplette Schonung ist nicht das Ziel, gezielte Modifikation der Spitzenlasten schon.
Counterforce-Bandagen (die bekannten Ellenbogen-Spangen) können kurzfristig schmerzentlastend wirken, indem sie die Zugbelastung am Sehnenursprung etwas verteilen. Sie ersetzen aber keine Belastungstherapie und haben keinen heilenden Effekt.
Topische NSAR (Diclofenac- oder Ibuprofen-Gel) sind bei schmerzhaften Phasen kurzfristig vertretbar. Systemische Schmerzmittel sind allenfalls bei besonders ausgeprägten Beschwerden indiziert, krankheitsmodifizieren nicht und sollten nicht über Wochen eingenommen werden.
Kortikoid-Spritzen am Sehnenansatz sind kritisch zu sehen. Sie lindern den Schmerz kurzfristig sehr deutlich, verschlechtern aber das Ergebnis nach 6 bis 12 Monaten gegenüber abwartender Behandlung oder Physiotherapie. Wiederholte Injektionen verschlechtern das Langzeitergebnis dramatisch. Eine einzelne Spritze kann selektiv zur kurzfristigen Überbrückung erwogen werden, dann mit ausdrücklicher Aufklärung über das ungünstige Langzeitprofil und ohne Wiederholung. Sie ist keine Erstlinientherapie.
Stoßwellentherapie hat ausgerechnet bei der lateralen Epikondylopathie eine schwache Datenlage. Zwei große deutsche Multicenter-Studien konnten keinen relevanten Effekt nachweisen, und eine Auswertung von 27 Studien fand keinen Nutzen gegenüber einer Scheinbehandlung; überlegen war die Stoßwelle nur gegenüber Laser und Ultraschall. Sie ist daher hier kein Standardverfahren und wird von der gesetzlichen Krankenkasse für diese Indikation nicht regelhaft erstattet.
Plättchenreiches Plasma (PRP) schneidet gegenüber Kortikoid-Spritzen langfristig besser ab, was allerdings vor allem daran liegt, dass die Kortikoid-Spritze langfristig schadet. Gegen eine Scheinbehandlung geprüft, zeigt PRP keinen Vorteil, weder am Ellenbogen noch an der Achillessehne. Als Selbstzahlerleistung ist das eine ehrliche Auskunft wert: Die Erwartung sollte niedrig sein. Botulinumtoxin lindert kurzfristig den Schmerz, erkauft das aber mit einer vorübergehenden Schwäche der Fingerstreckung bei rund einem Drittel der Behandelten und ist daher kein Routineverfahren.
Operative Verfahren bleiben Verläufen vorbehalten, die nach mindestens 6 bis 12 Monaten konsequenter konservativer Therapie nicht ausreichend gebessert haben. Eine placebokontrollierte Studie hat gezeigt, dass die operative Exzision tendinopathischen Gewebes am Ellenbogen einer Schein-Operation nicht überlegen ist, was die zurückhaltende Indikationsstellung weiter stützt.
Training bei Tennis- und Golferellenbogen
Die Muskeln, um die es geht, bewegen nicht den Ellenbogen, sondern Hand und Finger. Beim Tennisellenbogen sind es die Muskeln, die Handgelenk und Finger strecken und beim Zugreifen das Handgelenk stabil halten. Beim Golferellenbogen sind es die Beuger auf der Gegenseite. Sie entspringen an je einem kleinen Knochenvorsprung am Ellenbogen, weshalb dort der Schmerz sitzt, obwohl die Arbeit in der Hand passiert. Deshalb zielt das Training vor allem auf Griffkraft und Handgelenk, ergänzt um Schulter und Schulterblatt, die bei repetitiven Arm- und Drehbewegungen mitarbeiten.
Für den Einstieg genügen Alltagsgegenstände. Ist der Ansatz stark druckempfindlich, beginnen Sie mit Halten. Legen Sie den Unterarm auf einen Tisch, die Handfläche nach unten, die andere Hand auf den Handrücken. Drücken Sie ruhig dagegen, ohne dass sich das Handgelenk bewegt, und halten Sie die Spannung etwa dreißig Sekunden. Danach folgt die langsame Bewegung mit einer kleinen Hantel oder einer gefüllten Wasserflasche. Der Unterarm liegt auf dem Oberschenkel oder auf dem Tisch, die Hand ragt frei über den Rand, Handfläche nach unten. Heben Sie die Hand langsam an und senken Sie sie in etwa drei Sekunden wieder ab. Aus Studien bekannt ist außerdem eine Übung mit einem flexiblen Gummi-Stab, der beim Verdrehen Widerstand gibt. Der Bewegungsablauf unterscheidet sich von der Hantelübung und wird am besten angeleitet. Dazu kommt gezieltes Greifen, etwa das Zusammendrücken eines weichen Balls, weil Griffkraft der Alltagsmarker ist, der Sie am häufigsten einschränkt. Beim Golferellenbogen läuft dasselbe Programm spiegelbildlich, mit der Handfläche nach oben.
Als Verlaufsmaß eignet sich das, was Sie ohnehin täglich tun: eine gefüllte Tasse mit gestrecktem Arm heben, eine Flasche öffnen, einen Händedruck. Notieren Sie, was heute geht und wie es sich danach anfühlt. Solche Alltagsmarker sind im Verlauf oft aussagekräftiger als eine reine Schmerzzahl, weil der Ellenbogen in Ruhe meist wenig wehtut.
Bei der Reihenfolge und der Dosierung ist am Ellenbogen ein Punkt anders als an Achilles- und Patellasehne, und der gehört offen benannt. Dort gilt die Höhe der Last als wichtige Stellgröße, und die Abfolge von gehaltener Anspannung über schwere langsame Belastung bis zu federnden Bewegungen ist gut eingeführt. Am Ellenbogen ist keine dieser Formen gegenüber den anderen als überlegen belegt. Ob aufwendige Programme mehr leisten als gute Beratung mit einfachen Heimübungen, ist ebenfalls nicht geklärt. Praktisch heißt das: Regelmäßigkeit und die Anpassung der auslösenden Belastung sind der greifbarere Hebel als die Wahl der Übungsform. Für die Dosis gilt dieselbe Faustregel wie an anderen Sehnen: Beschwerden während der Übung sind in Ordnung, solange sie moderat bleiben und am Folgetag wieder auf Ihrem gewohnten Niveau liegen. Zwei bis drei Einheiten pro Woche sind ein üblicher Einstieg. Der Zeitraum ist lang. Vor allem die Variante am äußeren Ellenbogen heilt meist über Monate bis zu zwei Jahren aus, und ein erster Eindruck nach sechs bis acht Wochen sagt wenig über das Endergebnis. Das hier Beschriebene ist ein Beispiel dafür, wie ein Übungsprogramm aussehen kann, und kein persönlicher Trainingsplan. Welche Übungen für Sie passen, klären Sie mit Ihrer Physiotherapeutin oder Ihrem Physiotherapeuten. Die allgemeine Dosierungslogik steht im Trainingseinstieg , die Einordnung von Belastung als Therapie unter Bewegung .
Wann ärztlich abklären
- bei begleitenden Kribbel- oder Taubheitsgefühlen im kleinen und Ringfinger (mediale Form, möglicher Hinweis auf Nervus-ulnaris-Reizung im Sulcus)
- bei begleitendem brennenden Schmerz oder Kraftverlust am Daumen und an den Fingerstreckern (laterale Form, möglicher Hinweis auf Nervus-radialis-Syndrom)
- bei einem plötzlichen, stark einschießenden Schmerz nach Krafteinwirkung mit anschließendem Kraftverlust (Verdacht auf Bizepssehnen- oder Strecksehnenriss)
- bei ausbleibender Besserung trotz konsequenter Belastungs- und Übungstherapie über sechs Monate
Zusammenfassung
Tennisellenbogen und Golferellenbogen sind Tendinopathien der Unterarmstreck- beziehungsweise -beugesehnen am Ellenbogen. Die Prognose ist günstig: Bei mehr als 80 von 100 Menschen gehen die Beschwerden unter konservativer Behandlung innerhalb eines Jahres zurück, der Gesamtverlauf kann bis zu zwei Jahre dauern. Deutliche Besserung ist dabei das realistische Ziel, völlige Beschwerdefreiheit erreicht nach einem Jahr etwa ein Drittel. Dieser Durchschnitt gilt außerdem nicht für alle gleich; körperlich schwere Arbeit und hohe Schmerzstärke zu Beginn verschlechtern die Aussichten. Tragend sind Edukation, Belastungsanpassung und Zeit. Ein progressives Krafttraining ist sinnvoll und sicher, am Ellenbogen aber deutlich schwächer belegt als an anderen Sehnen; keine Programmform ist gegenüber den anderen als überlegen belegt. Kortikoid-Spritzen lindern kurzfristig, schaden aber langfristig und sind keine Erstlinie: Das ist der wichtigste vermeidbare Fehler. Stoßwelle ist bei der lateralen Form schwach belegt. Operative Verfahren bleiben Spätoption.
Weiterführende Quellen
Deutschsprachige Leitlinien
- S2k-Leitlinie Epicondylopathia radialis humeri (AWMF 187-052, Überarbeitung angemeldet) : die Fassung von 2019 ist abgelaufen und im AWMF-Register nicht mehr abrufbar, die Überarbeitung ist angemeldet.
Systematische Übersichten und Schlüsselstudien
- Effekte von Glukokortikoid-Injektionen und anderen Spritzen bei Tendinopathie (Coombes et al. 2010) : Lancet-Übersicht mit 41 randomisierten Studien zu 2.672 Teilnehmern; Kernbefund der zeitlichen Umkehr (kurzfristig wirksam, mittel- bis langfristig schädlich).
- Tennis elbow (Keijsers et al. 2019) : praxisnahe Übersicht zu Diagnose, Differenzialdiagnose und Therapie.
- Prognostische Faktoren beim Tennisellenbogen (Haahr und Andersen 2003) : 266 hausärztlich neu diagnostizierte Fälle mit einem Jahr Nachbeobachtung; Quelle für die 83 Prozent und für die ungünstigen Verlaufsfaktoren Arbeitsbelastung und Ausgangsschmerz.
- Physiotherapie, Kortikoid-Injektion oder Abwarten beim Tennisellenbogen (Bisset et al. 2006) : randomisierte Studie mit abwartend behandeltem Vergleichsarm über 52 Wochen; Quelle für die Rückfälle nach Kortikoid-Injektion.
- Verlauf und Prognose von Ellenbogenbeschwerden in der Hausarztpraxis (Bot et al. 2005) : 181 Patienten über ein Jahr; Quelle für den Unterschied zwischen 90 von 100 gebessert und 34 von 100 beschwerdefrei.
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